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    <title>Villa Regenbogen - Die anderen Länder</title>
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    <description>Infos über homosexuelles Leben</description>
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    <title>Afrika</title>
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    <author>nospam@example.com (UserOneVilla)</author>
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    In zahlreichen Ländern gilt es als ein Verbrechen, nicht heterosexuell zu sein. Wo Menschen wegen ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden, ist der Weg zu Hass, Gewalt und Folter nicht mehr weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sierra Leone&lt;br /&gt;
„Silence creates vulnerability“ – Im Kampf für die Rechte von Homo- und Bisexuellen&lt;br /&gt;
FannyAnn Eddy, eine weltweit bekannte und anerkannte Gay-Aktivistin, die sich besonders in ihrer Heimat Sierra Leone für die Rechte Homosexueller eingesetzt hat, wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 2004 in den Geschäftsräumen der von ihr gegründeten Sierra Leone Lesbian and Gay Association (SLLAGA) ermordet aufgefunden. Ihre Mörder sind in das Gebäude der SLLAGA eingedrungen, als niemand außer ihr dort war. Auf brutale Art und Weise hat man ihr das Genick gebrochen. Besonders die Brutalität des Mordes hat die gesamte Homosexuellen-Bewegung in Sierra Leone in einen Schockzustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„I hope to see more women being liberated or stand for what they believe in and hope to see a universe free of discrimination, torture and violence”, gab sie in einem Interview auf der Internetseite „Behind the Mask”, die als Forum für Schwule und Lesben in Afrika dient, zu verstehen. Dieser Mission hat sich ihre Organisation angenommen, indem sie konsequent jegliche Form von ungerechtfertigten Übergriffen auf Schwule und Lesben in Sierra Leone dokumentiert und Opfern von solchen Übergriffen soziale und psychologische Hilfe anbietet. FannyAnn Eddy selbst hat als selbstbewusste und mutige Gay-Aktivistin die Interessen Homosexueller gegenüber Regierungen vertreten. Als Mitglied der Kommission der All Africa Rights Initiative (AARI) und der namibischen Coalition of African Lesbians (CAL) weitete sie ihre Arbeit auch über die Grenzen Sierra Leones hinaus aus. Im Einsatz für die Emanzipation Homosexueller machte sie von allen Mitteln Gebrauch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation Homo- und Bisexueller in Sierra Leone und Namibia&lt;br /&gt;
Über die dramatische Lage von Homo- und Bisexuellen in Sierra Leone und Afrika im Allgemeinen informierte FannyAnn Eddy die Menschrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf im April letzten Jahres. Dabei beschrieb sie ausführlich, unter welchen Umständen Homo- und Bisexuelle in vielen afrikanischen Gesellschaften ein Schattendasein führen müssen und wie sie darunter zu leiden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders starke Angst löst die Willkür der Polizei aus. So wurde beispielsweise in Freetown ein Homosexueller verhaftet und für eine Woche ohne Anklage festgehalten, weil er sich wie eine Frau gekleidet hatte. Erst auf FannyAnn Eddys Intervention hin wurde der junge Mann aus der Haft entlassen. Wäre sie ihm nicht zur Hilfe gekommen, hätte ihn die Polizei auf unbestimmte Zeit festgehalten, wie es bereits in zahlreichen anderen Fällen vorgekommen ist. Fälle wie dieser seien deshalb so häufig, weil es nur wenige gebe, die es wagen, gegen solche Missstände vorzugehen, so FannyAnn Eddy. Aber nicht nur die Polizei, sondern auch Familien und Gemeinschaften müssen viele Schwule und Lesben fürchten. FannyAnn Eddy zufolge seien viele Schwule und Lesben nach ihrem Coming-out davon bedroht, aus ihren Familien verstoßen und enterbt zu werden. Infolgedessen blicke ein Großteil der Verstoßenen einem trostlosen Leben in Armut und Obdachlosigkeit entgegen. Prostitution sei oftmals der letzte Ausweg dem Hungertod zu entgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sozialer Zwang und Furcht vor Bestrafungen haben zur Folge, dass sich eine große Mehrheit der Schwulen und Lesben für ein Doppelleben entschieden: Einerseits führen sie ein von der Gesellschaft akzeptiertes Eheleben. Andererseits leben sie gleichzeitig ihre Sexualität auch in gleichgeschlechtlichen Affären aus. Nach einer im Dezember 2003 veröffentlichten Studie der „Sierra Leone Lesbian and Gay Association“ und „Health Way Sierra Leone“ hat dieses Verhalten in Verbindung mit einer schlechten sexuellen Aufklärung insbesondere bei Männern und dem weitgehenden Verzicht auf Kondome zur Folge, dass sich HIV/AIDS ungehindert und äußerst schnell verbreiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politische Hasstiraden bestimmen die gesellschaftliche Auseinandersetzung Wie FannyAnn Eddy bereits ausdrücklich bei einer Anhörung vor der UN-Menschenrechtskommission beklagt hat, nehmen sich afrikanische Regierungschefs nicht der Probleme, Wünsche und Hoffnungen dieser Randgruppen an, sondern verleugnen deren Existenz und bekämpfen diese bereits in vielen Gesellschaften sehr isoliert lebenden Gruppen durch politische Hasstiraden und öffentliche Diskreditierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oftmals benutzen sie dafür Argumente, die auf Kultur, Tradition, Religion und gesellschaftlichen Normen basieren. Sie vermitteln indirekt die Botschaft, dass Diskriminierung, Gewalt und Erniedrigung gegenüber dieser Gruppe tolerabel seien. Homosexualität sei illegal und kriminell, führte der Justizminister Namibias, Albert Kawana, kürzlich als Argument im Parlament an, als ein Gesetz zum Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund sexueller Orientierung zur Diskussion stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Homosexualität wird in vielen Teilen Afrikas als Krankheit angesehen und ist als europäischer Import verschrien. Dass es in vielen afrikanischen Sprachen aber ein Wort für Homosexualität gibt, wird dabei gerne übersehen. Im Norden Algeriens sind bereits Homosexuelle gesteinigt und in Somalia von Warlords grundlos erschossen worden. Robert Mugabe, Zimbabwes Staatschef, hat Homosexuellen weniger Wert als Schweinen und Hunden zugeschrieben. In Uganda wird ihnen mit Haft und Deportation gedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namibia – das Schicksal des Telwin Owoseb Telwin Owoseb gestand seiner Familie am Ende seiner Schulzeit, dass er schwul ist. Dieses Bekenntnis löste Entsetzen und Entrüstung innerhalb der Familie aus, weil „ein Mann ein Mann sein soll, heiraten und Kinder kriegen soll“, wie sie ihm mehrfach zu verstehen gaben. Es gehöre sich nicht für einen Afrikaner oder Christen, schwul zu sein, weil es unnatürlich sei. „Homosexuality is an unnatural behavioral disorder, which is alien to African culture&quot;, so Helmut Angula, Namibias Agrarminister. Diese Einstellung ist auf die namibische Gesellschaft generell übertragbar, was für Telwin Owoseb zur Folge hatte, dass es für ihn fast unmöglich war, einen Job oder einen Partner zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Homosexuelle sind in Namibia brutalen „Heilungen“ ausgesetzt. Familien lassen ihre lesbischen Töchter vergewaltigen, Schwulen werden von der Polizei die Ohrringe abgerissen. Ein Regierungsdokument beschreibt die „Heilung“ Homosexueller folgendermaßen: Man müsse ihnen den Kopf aufsägen, um ihr Gehirn mit einer chemischen Lösung reinigen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktivisten sagen, dass der beste Weg zur Regelung der Konflikte und zur Bekämpfung von Vorurteilen „der gute Nachbar“ sei: „You have to take away all the myth, and the best way to do that is just to live and be open&quot;, so Ian Swartz, Direktor des Rainbow Projects, einer gay-rights-Organisation, „when all you talk about is sex, you forget there&#039;s a person behind that label.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von FannyAnn Eddy Scott Long, der Direktor des Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Rights Project von Human Rights Watch, beschreibt FannyAnn Eddy als „a person of extraordinary bravery and integrity, who literally put her life on the line for human rights”. Aus diesem Grund appellierte Human Rights Watch kürzlich an die Regierung Sierra Leones, die Aufklärung dieses grausamen Mordes mit allen Mitteln zu unterstützen und zu überwachen – denn „silence creates vulnerability“. Ergebnisse liegen allerdings bis heute noch nicht vor.&lt;br /&gt;
Quelle: ai - von Stephan Klinkenberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namibia&lt;br /&gt;
„Namibia duldet keine Homosexuellen, keine Lesben. Die Polizei hat Anweisung, sie festzunehmen, des Landes zu verweisen und zu inhaftieren.“ Das verkündete Namibias Präsident Sam Nujoma am 19. März diesen Jahres vor Studenten in Windhuk. Zuvor hatten Mitglieder seiner Regierung bereits geäußert, Homosexuelle müssten „ausgerottet“ werden. Mit seiner Brandrede löste Nujoma eine Welle von Übergriffen auf Homosexuelle in Namibia aus. Im Mai berichtete die BBC, dass Namibias paramilitärische Einheit SFF (Special Field Force) in Windhuks Stadtteil Katatura Männer allein deshalb festgenommen habe, weil sie Ohrringe trugen und deshalb „verdächtig“ waren. Mitglieder der SFF äußerten gegenüber der Presse, sie handelten auf Anweisung Nujomas. Unter Druck geraten distanzierte sich die Regierung zwar von der Aktion der SFF. Ob Namibias Präsident, der Homosexualität wiederholt als „widernatürlich“ und „gegen Gottes Willen“ bezeichnet hat, sich jedoch dafür einsetzen wird, dass die homosexuellen Bürgerinnen und Bürgern seines Landes zukünftig gleich behandelt werden – wie das die Verfassung vorsieht – darf bezweifelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass solche Reden, die zum Hass aufstacheln, den Weg bereiten für willkürliche Festnahmen und Folter zeigt das Beispiel Uganda. Dort hatte Präsident Yoweri Museveni im September 1999 angekündigt, man werde „Homosexuelle ausfindig machen, verhaften und bestrafen“. Unmittelbar darauf wurden fünf Menschenrechtsaktivisten festgenommen und in einer geheimen Haftanstalt gefoltert. „Sie sagten, wir wollen dir was zeigen“, berichtete Christine (Name geändert), „dann vergewaltigten sie mich. Ich erinnere mich daran, von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein, dann verlor ich das Bewusstsein.“ Wochenlang wurden die fünf lesbischen Frauen und schwulen Männer gedemütigt und misshandelt. Als sie schließlich entlassen wurden, flohen sie aus Uganda. „Es wird lange dauern, bis ich die Folter vergessen haben werde“, sagte Rodney (Name geändert) gegenüber amnesty international. „Aber ich hoffe, dass ich eines Tages nach Uganda zurückkehren und ein Zentrum für Lesben und Schwule aufbauen kann – ohne Angst.“&lt;br /&gt;
Quelle: amnesty.de - von Wera Reusch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Simbabwe&lt;br /&gt;
Im Reich von Robert Mugabe werden Lesben wie Ska Ngwenya wie Staatsfeinde verfolgt.&lt;br /&gt;
Ska Ngwenya, 25, Simbabwe, Frauenrechtlerin: „Ich wollte endlich laut sagen, was ich bin: schwarz, lesbisch und stolz. Genau das habe ich getan - im Oktober 1999 bei einer Anhörung im Parlament von Simbabwe. Nach meinem Outing war mein Gesicht in allen Zeitungen und auf allen Kanälen. Die Leute zeigten mit dem Finger auf mich. Ich wurde verfolgt, bedroht, attackiert. Meine Familie verstieß mich. Und ich verlor meine Position als Linksaußen im Frauenfußballnationalteam. Ich traute mich kaum mehr auf die Straße, schon gar nicht allein. Einmal griffen mich zwei junge Männer an. Ich konnte wegrennen, verlor aber meine Papiere und einen Schuh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich bei der Polizei um Hilfe bat, sagten sie nur: Werd eine normale Frau, heirate und krieg Kinder, dann hast du auch keine Probleme mehr. Oh my God! Als mir dann ein Geheimdienstler sein Gewehr unter die Nase hielt, wusste ich, es ist Zeit, meine Haut zu retten. Also bin ich abgehauen. Unter dem Regime von Präsident Mugabe werden wir Homosexuellen wie Staatsfeinde verfolgt, und es wird so getan, als existierten wir nicht. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass das nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Januar 2001 lebt Ska in einem Flüchtlingslager bei Köln. In Deutschland hat sie politisches Asyl wegen sexueller Verfolgung beantragt. Die Ausländerbehörde gewährt ihr nur eine Aufenthaltsbefugnis — bis sich die politischen Verhältnisse in Simbabwe ändern.&lt;br /&gt;
Quelle: greenpeace-magazin.de - von ANDREA HÖSCH 
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    <pubDate>Sat, 10 Feb 2007 17:11:27 +0100</pubDate>
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    <title>Indonesien</title>
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            <category>Die anderen Länder</category>
    
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    <author>nospam@example.com (UserOneVilla)</author>
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    Lesbenbewegungen und ihre Position in Indonesien von Monika Arnez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lesben haben in Indonesien einen wahrscheinlich noch schwereren Stand als in vielen anderen Ländern. Noch stärker als Schwule gehören sie zu den Außenseitern der Gesellschaft. Denn für Lesben ist einfach kein Platz in dem immer noch sehr konservativen familienorientierten indonesischen&lt;br /&gt;
Frauenbild. Deshalb neigt man in Indonesien dazu, das Problem so weit wie möglich zu ignorieren, und auch die Lesben selbst treten mit ihrer Andersartigkeit selten in die Öffentlichkeit, da man ihnen keinerlei Verständnis entgegenbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der Frau&lt;br /&gt;
Das jetzige Bild der Frauen in Indonesien ist nach wie vor von Vorstellungen geprägt, die sich vor allem in der Zeit der orde baru (neuen Ordnung) unter Ex-Präsident Suharto vertieft haben. Frauen wurden beispielsweise in der Organisation Dharma Wanita, einer Organisation für die Frauen von Bürokraten, als Anhängsel der Männer degradiert. Sie waren gemäß der damaligen Ideologie dazu da, ihren Mann bei seiner Karriere zu unterstützen sowie sich zurückhaltend, aufmerksam und stets freundlich zu verhalten. Durch die starke Position der islamischen Religion und ihrem Einfluss in Indonesien wurde die Dominanz der Männer auch nicht eben vermindert. Die Existenz eines solchen Frauenbildes hat sicherlich massiv dazu beigetragen, dass sich lange Zeit überhaupt keine Lesbenbewegung in Indonesien etabliert hat. Denn es ist naturgemäß äußerst schwierig, eine Bewegung für etwas ins Leben zu rufen, das so unpopulär und soweit ab vom Mainstream ist, wie Gleichgeschlechtlichkeit unter Frauen. Die erste Lesbengruppe wurde dann aber doch in den 1980er Jahren gegründet. Sie hieß Perlesin, eine Abkürzung für Persatuan Lesbian Indonesia (Vereinigung indonesischer Lesben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch schien in dieser Gruppe der Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung keine prominente Rolle zu spielen. Denn in den Statuten der Gruppe war zum Beispiel ein Artikel der Dharma Wanita enthalten, die besonders konservativ in ihren Vorstellungen war. Da Perlesin darüber hinaus auch keine erkennbare Strategie verfolgte, gelang es ihr nicht, die größere Gemeinschaft der Lesben anzusprechen, und löste sich kurze Zeit später wieder auf. Einen neuen Impuls für die Lesbenbewegung gab es im Jahre 1986, als eine Homosexuellengruppe das Magazin Gaya Nusantara gründete. Denn lesbische Gruppen begannen sich an ihr zu orientieren – sowohl im Hinblick auf ihre Aktivitäten als auch auf ihr Schreiben. Die Lesben versuchten, deutlicher auf ihre Probleme in der Gesellschaft hinzuweisen, und kooperierten in vielen Dingen mit der homosexuellen Gruppe. Die Gründung des Asian Lesbian Network (ALN) im Jahre 1989 inspirierte indonesische Lesben dann zusätzlich, noch mehr in die Öffentlichkeit zu gehen. Der neu gewonnene Mut führte dazu, dass im Januar 1993 drei Leute das lesbische Netzwerk Chandra Kirana errichteten. Chandra Kirana begann bald nach seiner Gründung auch damit, ein eigenes Bulletin zu veröffentlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies war insofern ein Durchbruch, als nunmehr der Weg zu öffentlichem Diskurs ermöglicht wurde und die Lesben einen Ausweg aus ihrer Vereinsamung sahen. Die kooperative Beziehung mit Gaya Nusantara hielt jedoch nicht lange an. Die Homosexuellenbewegung ließ nicht viel Platz für eine Frauengruppe, die ihre spezielle Art zu denken hatte und die in ihren eigenen Vorstellungen auch nicht übergangen werden wollte. Nach dem zweiten Homosexuellenkongress Ende 1995 schrieb eine Lesbe aus Bandung, wo der Kongress abgehalten wurde: »Es gab nicht eine einzige Sitzung oder einen einzigen Workshop über lesbische Angelegenheiten, und im Komitee waren nur Männer. Warum wurde Chandra Kirana derartig ignoriert? Das bedeutet, dass wir alle ignoriert werden. « Von dem Zeitpunkt an, versuchte Chandra Kirana, sich unabhängig von dem Netzwerk für Homosexuelle zu organisieren. Diese Selbstständigkeit war und ist nicht leicht durchzusetzen, zumal die Organisation auch unter internen Problemen leidet. Viele Freiwillige können sich nicht mehr für Chandra Kirana einsetzen, weil ihre Eltern intervenieren, wenn sie von den Aktivitäten ihrer Töchter erfahren. Einige Eltern reagieren auf die Gleichgeschlechtlichkeit ihrer Töchter damit, dass sie die jungen Frauen so weit wie möglich in abgelegene Gebiete abschieben, damit sie an lesbischen Aktivitäten nicht mehr teilnehmen können. Andere setzen ihre Töchter massiv unter Druck – mitunter auch mit Einsatz körperlicher Gewalt -, um die Frauen »zur Normalität zurückzubringen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feminismus in »Lines«&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Schwierigkeiten hat die Gruppe ihre Arbeit jedoch noch nicht aufgegeben. Sie setzt sich nach wie vor zum Ziel, so intensiv wie möglich über das Leben der Lesben zu diskutieren. Ein Ergebnis ist eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel »Lines«, geschrieben von Ratri M. im Jahre 2000. An dieser Stelle ist zu bemerken, dass Ratri M. ein Pseudonym ist und nicht einmal der Verlag den wahren Namen der Autorin kennt, da das Skript vom Manager der Autorin zur Verfügung gestellt wurde. Ratri M. soll jedoch eine überzeugte Feministin sein, wie sich auch anhand des Covers ihrer Kurzgeschichtensammlung zeigt, die überwiegend in dem Symbol des Feminismus gehalten ist, der Farbe violett, die für Leid steht. Der Grund, warum das Buch Lines heißt, liegt darin, dass in der indonesischen Sprache lines als ein anderes Wort für lesbisch benutzt wird. Die Kurzgeschichten von Ratri M. wurden bereits mehrfach in den Massenmedien publiziert. Laut Angaben von Adriana Venny, die in der Tageszeitung The Jakarta Post über die Autorin geschrieben hat, hat Ratri M. geäußert, sie sei eine Autorin von Kurzgeschichten geworden, da sie ihre Gefühle über die Liebe ausdrücken wolle und außerdem zu zeigen beabsichtige, dass die indonesische Gesellschaft Frauen häufig ungerecht behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Erzählungen befassen sich demzufolge vorwiegend mit den Schwierigkeiten, mit denen Lesben in Indonesien konfrontiert sind. Einige ihrer Geschichten, Sebait Kidung (Vers einer Ballade), haben häusliche Gewalt zum Thema. Sie beschreiben, dass vorwiegend Frauen die Opfer derartiger Gewalt sind. Jedoch rücken auch andere Arten marginalisierter Frauen ins Zentrum ihrer Geschichten. Die Beschreibung, wie es den Frauen gelingt, mit ihrer Andersartigkeit umzugehen und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, erklärt vielleicht auch, warum alle ihrer Erzählungen in drei Abschnitteunterteilt sind: Liebe, Zweifel und Entschlossenheit. Damit verdeutlicht Ratri M., dass der Zweifel, den gerade Lesben aufgrund ihres nicht konformen Lebens und ihrer Gefühle hegen, nur durch Entschlossenheit überwunden werden kann. Ein solcher Konflikt tritt beispielsweise in der Erzählung Wawancara Itu (Jenes Interview) auf, in der die Geschichte einer TV-Sprecherin erzählt wird, die sich in einem Dilemma befindet, da sie ihre Karriere nicht aufgeben möchte, ihre Partnerin aber gleichzeitig von ihr verlangt, ihre Beziehung nicht weiter geheimzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Identitätskrise und Reaktionen des unmittelbaren Umfelds&lt;br /&gt;
Obwohl Lesben in den letzten Jahren nach außen hin stärkere Diskussionen über ihre Lebensweise und über die Stellung des weiblichen Geschlechts angeregt haben und damit zumindest nicht mehr so stark marginalisiert sind wie vorher, sind viele Lesben nach wie vor von starken Selbstzweifeln geplagt und finden ihren Platz in der Gesellschaft nicht. Ein anonymes Mitglied von Chandra Kirana meint: »Als Aktivisten von Chandra Kirana fragen wir uns oft, wo unser Platz ist. Wenn wir uns der Homosexuellenbewegung anschließen, werden wir das zweite Geschlecht und werden zweitrangig behandelt. Wenn wir der indonesischen Frauenbewegung beitreten, sind wir wie Knoblauch unter Zwiebeln – Stiefschwestern der Frauenbewegung. Wohin sollen Lesben von hier aus gehen?« Besonders problematisch ist auch der Umgang mit Lesben innerhalb der eigenen Familie. Hier wird die Andersartigkeit meist noch massiver abgelehnt als im Beruf. Denn während die Kollegen ihre moralischen und religiösen Bedenken häufig für sich behalten, wenn sie mit einer lesbischen Kollegin zu tun haben, ist dies innerhalb der Familie nur selten der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es ist unmöglich, den Schock und die Enttäuschung zu verbergen, wenn du herausfindest, dass deine eigene Schwester lesbisch ist«, sagt Retno über ihre Schwester, die sie Adek nennt.1 »Ich nehme an, dass mehrere meiner Freundinnen Lesben sind, aber wir kommen gut miteinander aus, da wir unseren eigenen Dingen nachgehen. Aber sie ist meine Schwester. Ich meine, sie weiß, dass es gegen unsere religiösen Lehren ist…Ich liebe meine Schwester noch, ich bemitleide sie wirklich. Aber ich kann einfach nicht verstehen, warum sie lesbisch geworden ist«, so Retno. Ida Ruwaida Noor, eine Soziologin, die an der Universität Indonesien in Jakarta arbeitet, ist der Auffassung, dass die indonesische Gesellschaft Gleichgeschlechtlichkeit nur so lange »toleriert«, wie sie nicht öffentlich wird, da sie an sich vehement abgelehnt wird: »Die Leute sehen Gleichgeschlechtlichkeit als falsch an, aber viele tendieren dazu, eine Lesbe als Freund zu ›akzeptieren‹, so lange die Person ihr Privatleben für sich behält. Kommt sie aber in der eigenen Familie vor, haben die Leute sofort eine negative Meinung«, so Noor. Lesben werden demnach stark abgelehnt. Die Gesellschaft empfindet sexuelle Gefühle einer Frau für eine andere Frau mindestens als abweichendes Verhalten oder als sexuelle Störung. Manchmal wird sogar angenommen, dass diese Frauen an einer mentalen oder sozialen Krankheit leiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es, wie oben erwähnt, einige Organisationen gibt, in denen sich Lesben organisieren, ziehen es die meisten Lesben in Indonesien immer noch vor, ihre sexuellen Neigungen so weit wie möglich vor anderen zu verbergen. Dies geschieht einerseits aus Angst, von der Gesellschaft verstoßen zu werden, aber andererseits auch durch die mangelnde Akzeptanz der eigenen Sexualität. Hinzu kommen Zweifel und Probleme, die beispielsweise aus religiösen Bedenken entstehen. So kommentiert eine 30-jährige Lesbe: »Als ich herausfand, dass ich eine Lesbe bin, habe ich versucht, es zu leugnen, habe mir gesagt, ich dürfe nicht etwas tun, was meine Religion verbietet. Als ich der Selbstleugnung müde wurde, habe ich mich zusammengerissen und habe versucht, einen Weg zu finden, es meiner Mutter zu sagen. Aber ich entschloss mich dann, es ihr doch nicht zu sagen. Denn als ich über eine ›ausgedachte‹ lesbische Freundin redete, zeigte sie ihre Abneigung sehr stark«. Um sich in das gesellschaftliche und religiöse Leben einzufügen, gehen Lesben auch häufig Beziehungen zu Männern ein. Der Schein kann jedoch meist spätestens nach einigen Jahren nicht mehr aufrecht gehalten werden, und die Beziehung zerbricht. Die 36-jährige Permata spricht folgendermaßen über diese Zeit: »Vor zehn Jahren hatte ich drei Jahre lang einen Freund. Alles, was ich für ihn fühlte, war Freundschaft, keine Liebe, kein sexuelles Verlangen. Seitdem habe ich niemals mehr danach gestrebt, meine Gefühle zu verbergen oder mich zu zwingen, mit einem Mann eine Beziehung einzugehen«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussbemerkung&lt;br /&gt;
Es gibt bis heute so gut wie kein nennenswertes Material über Lesben in Indonesien, da sie weiterhin innerhalb der Gesellschaft isoliert sind. Jedoch geht aus den Quellen zumindest folgendes hervor: Die existierenden Lesbengruppen appellieren in der Öffentlichkeit nicht nur daran, sie selbst als Mitglieder der Gesellschaft zu akzeptieren, sondern setzen sich gleichzeitig auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Damit machen sie erneut auf das patriarchalische System Indonesiens aufmerksam, in dem Frauen vielfach noch immer eine untergeordnete Rolle spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Genehmigung der Autorin!&lt;br /&gt;
Quelle: Monika Arnez. Die Autorin ist promovierte Malaiologin. 
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    <pubDate>Sat, 10 Feb 2007 17:10:36 +0100</pubDate>
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