Samstag, 10. Februar 2007
Es gibt Studien zur Suizidgefahr unter Lesben. Phänomen oder tatsächlich Alltag?
Mehr Suizide unter Lesben
USA. Eine Studie von A.K. Matthews und Kolleginnen bestätigt die Annahme, dass lesbische Frauen häufiger depressiv werden als heterosexuelle. Darüber hinaus ermittelten die Forscherinnen, dass Lesben öfter Suizid-Gedanken haben und vermehrt versuchen, sich selbst zu töten, als andere Frauen. Im Alter zwischen 15 und 29 Jahren unternehmen sogar doppelt so viele homosexuelle als heterosexuelle Frauen einen Selbstmordversuch.
Die Autorinnen führen dies auf zusätzliche Risikofaktoren bei Lesben zurück. Dazu gehören der „Coming-out“-Prozess, die Bekanntheit ihrer sexuellen Orientierung bei anderen und der Stress, einer stigmatisierten Gruppe anzugehören. Ein Grund für die vermehrten psychischen Probleme lesbischer Frauen könnte sein, dass sie ungefähr doppelt so oft als Kind sexuell missbraucht wurden als andere Mädchen. Denn Frauen, die sexuelle oder physische Übergriffe erlebt haben, denken zwei- bis dreimal so oft an Suizid oder versuchen sich selbst zu töten als vergleichbare Frauen ohne eine solche Vorgeschichte.
A. K. Matthews u.a.: Prediction of depressive distress in a community sample of women: the role of sexual orientation. American J. Public Health 2002 (92) 1131-1139
Weitere Studien...
Thema: Suizid
Diskriminierung auch auf Grund von sexueller Orientierung ist ein häufiger Grund, dass Lesben und Schwule sich selbst töten. Ein Versuch, dieses Thema in seiner Vielfältigkeit aufzuarbeiten.
In Österreich passieren immer wieder Selbstmorde, bei denen die Mitmenschen nie erfahren, warum er oder sie sich selbst getötet hat. Gleichwohl gibt es hierzulande keine Studien darüber, ob Selbstmordversuche auch mit der sexuellen Orientierung in ursächlichem Zusammenhang stehen. In der Englisch sprachigen Welt existiert allerdings eine Vielzahl solcher Studien. Alle zeichnen ein ähnliches, sehr bestürzendes Bild: Eine ungewöhnliche sexuelle Orientierung, die mit den starren Normen gewöhnlicher Sexualität konfrontiert wird, ist eine bedeutende Ursache für Depressionen, Selbstmordgedanken, -versuche und sicherlich auch für jene vollzogenen Selbstmorde, deren Ursachen nie geklärt wurden.
Die Häufigkeit und somit das Risiko von Selbstmordversuchen – mögen sie misslingen oder gelingen – ist je nach Studie bei lesBiSchwulen Menschen immerhin fünfeinhalb bis 14 Mal größer als bei Heteros! Diese Unterschiede in den Ergebnissen (z.B. Bell und Weinberg 1978, Fergusson, Horwood und Beautrais 1999, Cochran und Mays 2000) rühren auch daher, wie eng oder weit Homosexualität definiert, wie geschickt der wahre Anteil von Lesben, Schwulen und Bisexuellen in der Bevölkerung ermittelt und welche Altersstruktur und soziale Schichtung jeweils untersucht wurde.
In verschiedenen U.S. Kommunikationszentren für Lesben und Schwule ermittelten D’Augelli und Hershberger 1998, dass 40 Prozent der Lesben, Schwulen und Bisexuellen in einem Alter zwischen 15 und 21 Jahren zumindest einen Selbstmordversuch hinter sich haben! Immerhin weisen dabei diejenigen lesBiSchwulen Jugendlichen, die sich in ihrer Familie geoutet haben, ein weit geringeres Selbstmordrisiko von 12 Prozent auf.
Cochran und Mays fanden im Jahr 2000 heraus, dass bei schwulen und bisexuellen Männern in den USA 98 Prozent der Selbstmordversuche im Alter zwischen 17 und 27 Jahren stattfinden. Das ist eine aussagekräftige Konzentration auf junge und jüngere Altersgruppen, die bei Heteros nicht mit hinreichender Genauigkeit nachgewiesen werden kann.
Anzeichen für einen bevorstehenden Selbstmordversuch sind nach den 1993 veröffentlichten Ergebnissen der US-Studie von D’Augelli und Hershberger ein geringes Selbstwertgefühl, Alkoholmissbrauch, Depressionen und Verlust von FreundInnen nach dem Outing. Der Anteil der 15- bis 21-jährigen Lesben, Schwulen und Bisexuellen, die mindestens einen Selbstmordversuch hinter sich haben, liegt nach dieser Untersuchung bei 41 Prozent und unterscheidet sich nicht signifikant zwischen Männern und Frauen.
Der größte Unterschied im Wohl- bzw. Unwohlbefinden – und somit in der Selbstmordgefährdung – besteht, so wurde 1994 von Brady und Busse festgestellt, zwischen der Phase, wo die eigene Homosexualität von einem Schwulen selbst bloß toleriert wird, und der Phase, wo er seine Homosexualität für sich voll akzeptieren kann. Dass die Hauptgefährdung während der Coming-Out-Phase besteht, bestätigten Bagley und Tremblay 1997 für 17- bis 27-jährige Kanadier in Calgary.
Angesichts dieser Untersuchungsergebnisse kann nur unterstrichen werden, dass gleichgeschlechtliches Lust- und Liebesempfinden keine Krankheit ist, sondern dass die Intoleranz der Gesellschaft Minderheiten krank macht. Oder, wie es der Regisseur Rosa von Praunheim sinngemäß formuliert hat: Nicht die Homosexuellen sind pervers, sondern das Umfeld, in dem sie leben. Quelle: Rainer Bartel hosilinz.at und sws.soton.ac.uk
Samstag, 10. Februar 2007
Homosexuelle Frauen und Männer sind täglich irgendwelchen Vorurteilen ausgesetzt. Dieser kurze Überblick soll darstellen, wie verrückt es ist als homosexueller Mensch morgens die Augen auf zu machen.
1. Homosexualität ist eine Krankheit oder Sexualneurose
Einst waren sich einige Ärzte einig, dass Homosexualität eine Krankheit oder eine erlangte Sexualneurose ist. Gestützt wurde diese Meinung durch die Befragung Schwuler durch Psychologen. Dabei stellte sich heraus, dass Schwule häufiger unter psychischen Problemen leiden als heterosexuelle Männer. Ein großes Problem gab es bei dieser Befragung jedoch: Es wurden nur Schwule befragt, die sich in einer psychologischen Betreuung befanden. Hätte man die Befragung in gleicher Weise bei Heterosexuellen durchgeführt, so hätte man „herausgefunden“, dass Heterosexuelle häufig psychische Probleme haben. Um ins Reich der Kuriositäten abzutauchen: Früher waren sich viele Ärzte einig, dass Masturbation („Wichsen“) Rückenmarksschwund, krumme Finger etc. verursacht. Diese Aussage ist ebenso falsifiziert wie die Aussage, Homosexualität sei eine Krankheit.
2. Homosexualität ist pervers
Mit dem Begriff „pervers“ sollte man sehr vorsichtig sein. Der medizinische Duden beschreibt das Wort „pervers“ wie folgt: „(psychisch) abnorm, abwegig, krankhaft (veranlagt oder empfindend; Psychol.).“ Das Wörterbuch der Etymologie (Etymologie ist die Wissenschaft, die sich mit der Herkunft von Wörtern beschäftigt) von „Wahrig“ sagt Folgendes über das Wort „pervers“ aus: „widernatürlich, geschlechtlich unnormal; aus lat. perversus‚ verkehrt‚ umgedreht, zu pervertere‚ umkehren, umstürzen, verderben, aus per-‚ ganz, völlig und vertere‚ wenden. Es ist korrekt, dass Homosexualität nicht der Norm entspricht, dennoch hat Homosexualität nichts mit einer Krankheit oder Ähnlichem zu tun (siehe Vorurteil 1); außerdem entspricht es ebenso nicht der Norm, wenn eine Person rote Haare hat oder über 190 cm groß ist. Abweichungen müssen nicht immer negativ sein.
3. Schwule wollen lieber eine Frau sein, Lesben lieber ein Mann
Dies gilt i. d. R. nur für transsexuell veranlagte Personen. Außerdem muss eine transsexuell veranlagte Person nicht unbedingt schwul sein. Immer häufiger treten Männer in die Öffentlichkeit, die sich selbst als „metrosexuell“ (heterosexuell, leicht feminin und körperbewusst) bezeichnen. Der bekannteste Metrosexuelle dürfte der Fußballspieler David Beckham sein, der angeblich gerne Kleidungsstücke seiner Frau trägt.
4. Homosexualität ist Erziehungssache
Dieser Irrglauben ist Grund für viele Vorwürfe, die sich Eltern machen. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass die Erziehung keinen Einfluss auf die Homo- oder Heterosexualität eines Kindes hat. Die Erziehung kann maximal beeinflussen, wie eine homosexuelle Person mit der eigenen Homosexualität umgeht und dazu steht.
5. Der erste Geschlechtsverkehr entscheidet über Homo- oder Heterosexualität
Dies ist definitiv falsch. Sonst wäre ein mehr als zwei- bis fünfmal so großer Teil der Bevölkerung homosexuell - schließlich sammeln nicht wenige Jungendliche ihre ersten Erfahrungen unter Geschlechtsgenossen. Unter heterosexuellen Jungen sind homosexuelle Kontakte dabei häufiger als unter heterosexuellen Mädchen.
6. Schwule sehen schwul aus und sprechen „tuntig“
Es stimmt, dass ein kleiner Teil der Schwulen bestimmte Erkennungsmerkmale verwendet. Sie kleiden sich auffällig, schminken sich und reden in einem komischen Tonfall. Die meisten Schwulen erkennt man allerdings nicht so leicht. Ein rosa Hemd kann man auch nicht mehr als „Schwulenkleidung“ bezeichnen, da sich mittlerweile viele Heterosexuelle „schwul“ kleiden.
7. Schwule spielen mit Puppen
Es ist zwar ebenfalls nicht unbedingt häufig, dass ein Junge mit einer Puppe spielt, jedoch hat dies genauso viel mit seiner sexuellen Orientierung zu tun wie seine Lieblingseissorte.
8. Schwule hassen Frauen, Lesben hassen Männer
Homosexuelle lieben zwar das eigene Geschlecht, dies soll aber nicht heißen, dass sie deshalb das andere Geschlecht hassen.
9. Schwule denken immer und überall an Sex
Die Libido (das sexuelle Verlangen / der Sexualtrieb) von Schwulen unterscheidet sich kaum von dem heterosexueller Personen; außer natürlich, dass Homosexuelle Geschlechtsverkehr mit dem eigenen Geschlecht bevorzugen.
10. AIDS gibt es nur bei Schwulen
Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, müssen wir sicherlich nicht erklären. Die Zahl der Heterosexuellen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, ist größer als die Zahl der Homosexuellen, die mit dem HI-Virus infiziert sind.
11. Schwule sind Memmen
Es gibt solche und solche - wie bei Heterosexuellen auch. Sicherlich besteht auch hier kein nennenswerter unterschied zwischen Hetero- und Homosexuellen.
12. Homosexuelle bringen unserer Gesellschaft nichts, da sie keine Kinder bekommen
In Sachen Fortpflanzung mögen Schwule wohl den gleichen Nutzen wie ein katholischer Pfarrer haben. Jedoch haben die meisten Schwulen eine Arbeitsstelle und machen sich dort für die Gesellschaft nützlich - wie der Pfarrer auch. Außerdem sind Schwule oft in besser bezahlten Berufen zu finden und somit gute Steuerzahler. Auch die Kirche, welche Homosexualität offiziell ablehnt, hätte ein riesiges Problem, wenn alle Homosexuellen aus dieser austräten.
13. Schwule „poppen" am liebsten von hinten
Es mag sehr viele Schwule geben, die Analsex bevorzugen. Es gibt jedoch ebenso viele heterosexuelle Paare, die diese sexuelle Praktik betreiben. Zudem ist Analsex nicht bei allen Schwulen beliebt. Es gibt nicht gerade wenige Schwule, die diese Praktik ablehnen oder „ekelhaft“ finden. Anmerkung: Für diese Praktik gibt es spezielle Kondome, so genannte „Analkondome“ (diese sind „stabiler“ als gewöhnliche), welche man in der Apotheke kaufen kann.
14. Jungen können durch Verführung schwul werden
Auch weit verbreitet ist der Aberglaube, heterosexuelle Jungen könnten durch Verführung schwul werden. Dies ist natürlich vollkommener Schwachsinn! Einen heterosexuellen Jungen kann man genauso wenig zur Homosexualität verführen wie einen schwulen Jungen zur Heterosexualität.
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