Samstag, 10. Februar 2007
2. Lesbische Liebe in den Zeiten von Aids
Über lesbische Liebe wird viel geredet, noch mehr fantasiert. Eine Lesbe hat niemals Sex mit Männern, nimmt keine Drogen und hat deshalb auch nichts mit HIV und AIDS zu tun. Latex? Vielleicht als Kleidung, aber nicht zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, so meinen viele. Und wie ist lesbischer Sex? Ganz harmonisch eben, überaus sanft und sehr kuschelig. Liebesbeziehungen zwischen Frauen sind außerdem immer monogam, keine Lesbe lebt promisk.
Was Lesben und Liebe zwischen Frauen angeht, gibt es jede Menge Tabus und Klischees. Auch innerhalb unserer Szene. Die Art, wie Lesben ihre Sexualität leben, wird auch hier einer Bewertung unterzogen. Über die Wirklichkeit der frau-fraulichen Liebe wird nicht offen geredet, sondern viel lieber "vertraulich" und entsprechend genüsslich gelästert.
In der angeblich so toleranten Lesbenszene wird meist nur die monogame Zweierbeziehung anerkannt. Aber was ist mit den Lesben, die manchmal oder immer anders l(i)eben? Tabus und Klischees, Lästern und Verurteilen führen oft zu Scham- und Schuldgefühlen, behindern damit überlegtes Handeln.
Wenn "es" ihr einmal - oder öfter - "mit anderen Frauen passiert", dann völlig unvorbereitet. Weil über Safer Sex nie oder nur selten, und dann auch nur im privaten Kreis geredet wird, ist in solch einer Situation guter Rat teuer. Letztlich siegen die Gefühle - Romantik, Faszination, Aufregung - über den Verstand. An HIV und AIDS, an andere sexuell übertragbare Krankheiten wird nicht mehr gedacht.
Ob, wann, wie und mit wem frau Sex hat, ob mit Frauen oder vielleicht auch mit Männern, ob zu zweit oder zu mehreren, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass frau es so tut, wie sie es will. Manche bezeichnen sich als Lesben, haben aber trotzdem ab und zu Sex mit Männern. Wer hier bewertet, grenzt aus und teilt uns Lesben in "Gute" und "Schlechte" ein.
Eine "richtige" Lesbe ist eine Frau, die
>> noch nie Sex mit Männern hatte
>> in mindestens zehn Politgruppen aktiv ist
>> Feministin ist
>> sich sozial engagiert
>> nur im Frauenbuchladen ihre Bücher kauft
>> nur an Frauenaktivitäten teilnimmt
>> nur in Frauenkneipen, -cafés und -restaurants geht
>> keine heterosexuellen Freundinnen hat
>> mit Männern nur das Nötigste redet
>> alles, was sie zum Leben braucht, bei Frauen einkauft
Eine Lesbe, die diesem Bild entspricht, gibt es nicht. Viele Lesben haben eine heterosexuelle Vergangenheit, haben heterosexuelle Freundinnen und Freunde, weibliche und männliche Arbeitskollegen, manch eine schläft auch mit Männern. Trotzdem bezeichnen sie sich alle als Lesben.
Wie Sexualität gelebt wird, ist ein Tabu. Sex ist etwas Privates, spielt sich in trauter Zweisamkeit hinter verschlossenen Türen ab. Wo und wann kann frau schon frei und offen über Sexualität reden?
Frauen haben angeblich keine eigene, von Männern unabhängige Sexualität. Ihre Sexualität wird in der Gesellschaft an dem gemessen, was Männer anmacht. Deshalb seien Frauen auf den penetrierenden Sex fixiert. Dieses Klischee kann für Frauen, die Sex mit Frauen haben, zum Problem werden. Da Erziehung, Werbung, Film und Literatur von heterosexuellen Leitbildern beherrscht sind, gibt es für (vor allem junge) Lesben im Coming-Out kaum Orientierungshilfen für das frau-frauliche Sexualleben. Viele müssen deshalb für sich "das Rad neu erfinden".
Hinzu kommt, dass lesbischer Sex grundsätzlich als "safe" gilt. Wenn frau dieser Meinung anhängt, denkt sie beim Sex weder an HIV und AIDS noch an andere STDs. Bedenkenlosigkeit ist das eine Extrem in der lesbischen Gemeinschaft, Panikmache mit totaler Latexfixierung das andere. Und dazwischen gibt es viele Nuancen.
Ebenso unterschiedlich werden in unseren Szenen sexuelle Vorlieben und das Praktizieren/Nichtpraktizieren von Safer Sex bewertet. Egal, wie frau zu diesem oder jenem steht: Sexualität sollte eigenverantwortlich gelebt werden. Jede von uns sollte ihr persönliches Sicherheitsbedürfnis klären und herausfinden, was Safer Sex für sie heißt. Vor allem sollten wir uns an der Vielfalt lesbischen Lebens erfreuen und uns so akzeptieren, wie wir sind.
Fortsetzung: 3. Zur Übertragbarkeit von HiV
Samstag, 10. Februar 2007
1. Allgemeines
Wie sich homosexuelle Männer schützen können ist ja allgemein bekannt. Was nicht wirklich bekannt ist, ist die Tatsache, dass sich Lesben auch schützen müssen und die Frage ist dann auch "wie?". Hier einige Infos darüber.
Lesben oder Frauen, die Sex mit Frauen haben kommen in den meisten Diskussionen um HIV und AIDS nicht vor. Nach allgemeiner Auffassung stellt AIDS für sie kein Problem dar. Lesbische Lebensformen und lesbische Sexualität scheinen demnach nicht von HIV und AIDS bedroht zu sein. In den Medien und in weiten Teilen der Wissenschaft gelten wir als Gruppe ohne HIV-Risiko.
Wie die meisten Menschen glauben deshalb auch viele von uns, dass Frauen, die Sex mit Frauen haben, kein AIDS kriegen. Irrtum: Sex zwischen Frauen schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten, somit auch nicht vor HIV und AIDS.
Die Übertragungsmöglichkeiten von Frau zu Frau werden ganz unterschiedlich bewertet. Zum Teil gelten sie als verschwindend gering, zum Teil grassiert hysterische Panikmache, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Viele Infomaterialen zum Thema sind veraltet und in ihren Aussagen oft widersprüchlich. So fordern einige die Frauen dazu auf, bei jeder Art Sex Latexmaterialien zu verwenden und schüren damit Hysterie. Andere wiederum behaupten, es gebe überhaupt keine Infektionsgefahr.
Viele von uns haben AIDS aus ihren Köpfen verbannt, aus ganz verschiedenen Gründen. So sehen die einen keinen Anlass, lieb gewordene Verhaltensweisen aufzugeben. Andere möchten nicht, dass die Romantik oder die heiße Lust durch das Aushandeln von Safer Sex gestört wird. Wieder andere wollen warme Haut und Feuchtigkeit spüren und lehnen deshalb Latexhandschuhe und Dental Dams rundheraus ab.
Weitaus größere Probleme als der Umgang mit der Latexhaut bereiten die Barrieren im Kopf. Tabus und Klischees, die es außerhalb und innerhalb unserer Szenen gibt, verhindern ein angemessenes Risikoverhalten. So mag frau zwar über sexuell übertragbare Krankheiten, deren Übertragungswege und die Schutzmöglichkeiten informiert sein - trotzdem kann es sein, dass sie sich im Schlafzimmer nicht entsprechend verhält. Vorurteile gibt es ebenso über die diversen Spielarten, die uns der Sex bietet. Nur der offene Umgang mit der sexuellen Wirklichkeit ermöglicht es uns, jeweils individuell einzuschätzen, in welchen Situationen Schutz angebracht ist.
Wir wollen hier eure Fragen zu HIV und AIDS beantworten. Wir gehen ebenso auf andere sexuell übertragbare Krankheiten ("STDs") ein, von denen die meisten recht lästig, manche sogar gefährlich sind. Und nicht zuletzt: alle STDs können das Risiko einer Ansteckung mit HIV erhöhen und den Krankheitsverlauf einer HIV-Infektion beschleunigen.
Wir möchten euch so umfassend wie möglich informieren. Das heißt aber nicht, dass wir euch Rezepte fürs "richtige" Verhalten geben. So etwas können und wollen wir auch nicht. Ihr selbst müsst entscheiden, wie ihr euch in welcher Situation verhaltet, denn nur ihr kennt eure Risiken, eure Wünsche und Bedürfnisse.
Lesben und Aids - (k)ein Thema für die Forschung
Kann HIV beim Sex zwischen Frauen übertragen werden? Und wenn ja: wie wird das Virus übertragen? Diese Fragen bewegen viele weibliche Gemüter. Zwar gibt es inzwischen einige Untersuchungen hierzu, die Forschung steckt aber noch in den Kinderschuhen. Das hat unterschiedliche Gründe:
Auch die Forschung ist nicht frei von gesellschaftlichen Tabus und Vorurteilen. "Reizthemen", wozu auch der Konsum illegaler Drogen oder die unterschiedlichen Formen der menschlichen Sexualität gehören, führen oft zu verzerrten Ergebnissen. Themen, die Lesben betreffen, sind in der Forschung bis auf wenige Ausnahmen ausgeblendet worden. Das liegt auch daran, dass die Wissenschaftler - meist Männer - kaum etwas über lesbische Lebensweisen wissen. So meinte z.B. ein Forscher, Lesben bräuchten in Studien nicht berücksichtigt zu werden, da sie ohnehin kaum Sex hätten. Solche Äußerungen verstellen den Blick auf die Wirklichkeit lesbischer Lebensweisen und führen dazu, dass Frauen, die Sex mit Frauen haben, in der HIV-Epidemiologie konsequent "übersehen" werden.
Die Forschung zu HIV und AIDS hat gezeigt: Keine Bevölkerungsgruppe kann sich, was das Ansteckungsrisiko angeht, in völliger Sicherheit wiegen. Wer von "Risikogruppen" spricht, die sich das Virus angeblich "ausgesucht" hat, liegt somit falsch. Wohl aber gibt es riskante Verhaltensweisen.
Lange Zeit wurde angenommen, Frauen könnten sich beim Sex mit Frauen nicht anstecken. Inzwischen ist klar: Lesbische Lebensweise schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten, also auch nicht vor HIV und AIDS.
Frauen, die Frauen lieben, sind keine isolierte Gemeinschaft. Es gibt Lesben,
>> die fixen und ihre Spritzbestecke mit anderen teilen
>> die verheiratet waren, hetero- oder bisexuell lebten
>> die Kinder haben
>> die Sex mit Männern haben
>> die im Gefängnis waren
>> die der Prostitution nachgehen
>> die sich künstlich befruchten ließen oder dies vorhaben
>> die vergewaltigt wurden
>> die Bluttransfusionen erhielten
Darin, dass wir Lesben sind, Frauen, die Frauen lieben, liegt keine Infektionsgefahr. Es kommt einzig darauf an, wie wir uns in Risikosituationen verhalten.
Fortsetzung: 2. Lesbische Liebe in den Zeiten von Aids
Samstag, 10. Februar 2007
HIV/Aids spielen in der Welt (und das nicht nur in der homosexuellen Welt!) eine sehr große Rolle. Doch kann sich ein Mensch nicht nur damit anstecken, es gibt auch noch andere Krankheiten, auf die frau / man weiß Göttin verzichten kann. Dieser kleine Überblick soll ein kleiner Anstoß sein, darüber nach zu denken, dass SAFE absoluten Vorrang hat!
Allgemeines
Neben dieser neueren Bezeichnung werden noch die Begriffe Geschlechtskrankheiten, venerische Infektionen, also Krankheiten der Liebesgöttin Venus, und im Angelsächsischen "Sexually Transmissible Diseases" (STD) benutzt. Mittlerweile wird die Abkürzung STD auch im deutschen Sprachgebrauch immer mehr für diese Krankheiten verwendet.
Bei den STD handelt es sich um Erkrankungen, die durch Bakterien, Parasiten, Pilze, Protozoen, oder Viren ausgelöst werden. Die Übertragung erfolgt überwiegend oder ausschließlich durch Geschlechtsverkehr oder engen körperlichen Kontakt. Gelegentlich ist auch eine zusätzliche, nicht sexuelle Übertragung, z.B. durch Blutübertragungen möglich.
Überblick
Die sexuell übertragbaren Krankheiten (sexually transmitted diseases / STD) können nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt eine Einteilung nach den Krankheitssymptomen bzw. der Erstmanifestation der Erkrankung vor: Geschwür oder Erosion, Ausfluss, Infektion der Lymphknoten oder Lymphbahnen und Hauterscheinungen. Dieser Ansatz hat sich in der ärztlichen Praxis bewährt und vereinfacht die Unterscheidung ähnlicher Krankheitsbilder.
Einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Krankheitsverursacher vermittelt die folgende Aufstellung (Erreger - Erregername -> Krankheitsbeispiel).
Bakterien
Callymatobakterium granulomatosis -> Donavanosis
Campylobacter fetus -> Darmentzündung
Chlamydia trachomatis -> Lymphogranuloma inguinale
Gardnerella vaginalis -> Unspezifische Kolpitis, Vaginitis
Gruppe B Streptokokken -> Neugeborenensepsis
Mycoplasma hominis -> Nierenbeckenentzündung
Neisseria gonnorhoeae -> Gonorrhoe
Shigella dysenteriae -> Bakterielle Ruhr
Treponema pallidum -> Syphilis
Ureaplasma urealyticum -> Harnröhren-, Prostata-, Nierenbeckenentzündung
Viren
Condylomata acuminata -> Genitalwarzen
Hepatitis A Virus -> Hepatitis A
Hepatitis B Virus -> Hepatitis B
Herpesvirus hominis Typ 2 -> Herpes genitalis
Humane Immundefizienz Viren (HIV) -> Aids
Human papillomaVirus -> Warzen
Poxvirus -> Dellwarzen
Zytomegalievirus -> Einschlußkörperchenkrankheit
Protozoen
Entamoeba histolytica -> Amöbenruhr
Giardia lamblia -> Lamblienruhr
Trichomonas vaginalis -> Trichomoniasis
Pilze
Candida albicans -> Candidose
Parasiten
Phtirius pubis -> Schamlaus
Krätze, Scabies
... so, und damit das auch noch mal klar gestellt wird:
Übertragungswege und Prophylaxe
Wie jeder schon weiß, wird z. b. das HI-Virus durch Blut und Sexualkontakte übertragen. Besonders gefährdet sind daher unter anderem Menschen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Hält man folgende Verhaltensmaßregeln ein, ist die Gefahr einer Ansteckung schon um einiges geringer:
1. Safer Sex
Praktiken, bei denen Blut oder Vaginalsekret auf Schleimhäute oder verletzte / erkrankte Haut gelangen kann, vermeiden. Deshalb beim Geschlechtsverkehr immer Kondome bzw. Dental Dams verwenden.
2. Vermeidung / Reduktion von Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnerinnen
3. Eine "monogame" Beziehung bietet KEINEN zuverlässigen Infektionsschutz. Aus Angst vor Beziehungsproblemen verheimlichen viele Menschen ihrem Partner einen Seitensprung. Experten sprechen hier vom "Risikofaktor Liebe".
Quelle: Medicine - Worldwide - http://www.m-ww.de
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