1. Allgemeines
Wie sich homosexuelle Männer schützen können ist ja allgemein bekannt. Was nicht wirklich bekannt ist, ist die Tatsache, dass sich Lesben auch schützen müssen und die Frage ist dann auch "wie?". Hier einige Infos darüber.
Lesben oder Frauen, die Sex mit Frauen haben kommen in den meisten Diskussionen um HIV und AIDS nicht vor. Nach allgemeiner Auffassung stellt AIDS für sie kein Problem dar. Lesbische Lebensformen und lesbische Sexualität scheinen demnach nicht von HIV und AIDS bedroht zu sein. In den Medien und in weiten Teilen der Wissenschaft gelten wir als Gruppe ohne HIV-Risiko.
Wie die meisten Menschen glauben deshalb auch viele von uns, dass Frauen, die Sex mit Frauen haben, kein AIDS kriegen. Irrtum: Sex zwischen Frauen schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten, somit auch nicht vor HIV und AIDS.
Die Übertragungsmöglichkeiten von Frau zu Frau werden ganz unterschiedlich bewertet. Zum Teil gelten sie als verschwindend gering, zum Teil grassiert hysterische Panikmache, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Viele Infomaterialen zum Thema sind veraltet und in ihren Aussagen oft widersprüchlich. So fordern einige die Frauen dazu auf, bei jeder Art Sex Latexmaterialien zu verwenden und schüren damit Hysterie. Andere wiederum behaupten, es gebe überhaupt keine Infektionsgefahr.
Viele von uns haben AIDS aus ihren Köpfen verbannt, aus ganz verschiedenen Gründen. So sehen die einen keinen Anlass, lieb gewordene Verhaltensweisen aufzugeben. Andere möchten nicht, dass die Romantik oder die heiße Lust durch das Aushandeln von Safer Sex gestört wird. Wieder andere wollen warme Haut und Feuchtigkeit spüren und lehnen deshalb Latexhandschuhe und Dental Dams rundheraus ab.
Weitaus größere Probleme als der Umgang mit der Latexhaut bereiten die Barrieren im Kopf. Tabus und Klischees, die es außerhalb und innerhalb unserer Szenen gibt, verhindern ein angemessenes Risikoverhalten. So mag frau zwar über sexuell übertragbare Krankheiten, deren Übertragungswege und die Schutzmöglichkeiten informiert sein - trotzdem kann es sein, dass sie sich im Schlafzimmer nicht entsprechend verhält. Vorurteile gibt es ebenso über die diversen Spielarten, die uns der Sex bietet. Nur der offene Umgang mit der sexuellen Wirklichkeit ermöglicht es uns, jeweils individuell einzuschätzen, in welchen Situationen Schutz angebracht ist.
Wir wollen hier eure Fragen zu HIV und AIDS beantworten. Wir gehen ebenso auf andere sexuell übertragbare Krankheiten ("STDs") ein, von denen die meisten recht lästig, manche sogar gefährlich sind. Und nicht zuletzt: alle STDs können das Risiko einer Ansteckung mit HIV erhöhen und den Krankheitsverlauf einer HIV-Infektion beschleunigen.
Wir möchten euch so umfassend wie möglich informieren. Das heißt aber nicht, dass wir euch Rezepte fürs "richtige" Verhalten geben. So etwas können und wollen wir auch nicht. Ihr selbst müsst entscheiden, wie ihr euch in welcher Situation verhaltet, denn nur ihr kennt eure Risiken, eure Wünsche und Bedürfnisse.
Lesben und Aids - (k)ein Thema für die Forschung
Kann HIV beim Sex zwischen Frauen übertragen werden? Und wenn ja: wie wird das Virus übertragen? Diese Fragen bewegen viele weibliche Gemüter. Zwar gibt es inzwischen einige Untersuchungen hierzu, die Forschung steckt aber noch in den Kinderschuhen. Das hat unterschiedliche Gründe:
Auch die Forschung ist nicht frei von gesellschaftlichen Tabus und Vorurteilen. "Reizthemen", wozu auch der Konsum illegaler Drogen oder die unterschiedlichen Formen der menschlichen Sexualität gehören, führen oft zu verzerrten Ergebnissen. Themen, die Lesben betreffen, sind in der Forschung bis auf wenige Ausnahmen ausgeblendet worden. Das liegt auch daran, dass die Wissenschaftler - meist Männer - kaum etwas über lesbische Lebensweisen wissen. So meinte z.B. ein Forscher, Lesben bräuchten in Studien nicht berücksichtigt zu werden, da sie ohnehin kaum Sex hätten. Solche Äußerungen verstellen den Blick auf die Wirklichkeit lesbischer Lebensweisen und führen dazu, dass Frauen, die Sex mit Frauen haben, in der HIV-Epidemiologie konsequent "übersehen" werden.
Die Forschung zu HIV und AIDS hat gezeigt: Keine Bevölkerungsgruppe kann sich, was das Ansteckungsrisiko angeht, in völliger Sicherheit wiegen. Wer von "Risikogruppen" spricht, die sich das Virus angeblich "ausgesucht" hat, liegt somit falsch. Wohl aber gibt es riskante Verhaltensweisen.
Lange Zeit wurde angenommen, Frauen könnten sich beim Sex mit Frauen nicht anstecken. Inzwischen ist klar: Lesbische Lebensweise schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten, also auch nicht vor HIV und AIDS.
Frauen, die Frauen lieben, sind keine isolierte Gemeinschaft. Es gibt Lesben,
>> die fixen und ihre Spritzbestecke mit anderen teilen
>> die verheiratet waren, hetero- oder bisexuell lebten
>> die Kinder haben
>> die Sex mit Männern haben
>> die im Gefängnis waren
>> die der Prostitution nachgehen
>> die sich künstlich befruchten ließen oder dies vorhaben
>> die vergewaltigt wurden
>> die Bluttransfusionen erhielten
Darin, dass wir Lesben sind, Frauen, die Frauen lieben, liegt keine Infektionsgefahr. Es kommt einzig darauf an, wie wir uns in Risikosituationen verhalten.
Fortsetzung: 2. Lesbische Liebe in den Zeiten von Aids