Für viele Mädchen und Frauen ist es ein langer Prozess, bis sie wissen, ob sie sich eher zu Mädchen und Frauen oder zu Jungen und Männern oder zu beiden hingezogen fühlen. Manche Frauen wussten schon immer, dass sie lesbisch sind. Andere hatten zum Teil über mehrere Jahre Beziehungen zu Männern und haben sich dann doch in eine Frau verliebt. Es gibt auch Frauen, die erst mit Frauen, dann mit Männern und irgendwann doch wieder mit Frauen zusammen sind.
Ich persönlich definiere die "Findungsphase" als bisexuell. Manche definieren bisexuell anders, aber durch viele Gespräche oder Beobachtungen, ist die Phase in der Mann oder Frau seine bzw. ihre Richtung sucht und dann auch letztendlich findet, als bisexuell zu bezeichnen. Bei manchen Menschen dauert diese Zeit ewig (wobei hier auch das Umfeld bzw. die Gesellschaft in der sich jemand befindet eine große Rolle spielt - Motto: was denken die anderen), bei manchen dauert die Findungsphase nicht so lange. Das ist aber alles relativ zu sehen und ist auch jedem selbst überlassen wie viel Zeit er oder sie dafür braucht. Eine Entscheidung ist aber in jedem Fall ratsam, da verstecken spielen meist anstrengender ist, als zu sagen, was Sache ist! Selbst bisexuell leben ist eine Entscheidung.
Lesbisch sein ist nicht besser oder schlechter als heterosexuell zu sein. Dennoch sind viele Mädchen zu Beginn sehr verwirrt und zum Teil auch unglücklich, wenn sie merken, dass sie sich in Mädchen verlieben. Oft kennen sie keine anderen lesbischen Mädchen und fühlen sich dadurch alleine und unverstanden. Es gibt auch immer noch zu wenig Vorbilder für Mädchen, wie lesbische Frauen ihr Leben gestalten. Die Ansicht, dass das Lesbischsein nur eine Phase ist, bis das Mädchen bzw. die Frau den richtigen Jungen oder Mann gefunden hat, ist genauso ein Vorurteil wie die Behauptung, dass Mädchen, die schlechte Erfahrungen mit Jungen gemacht hätten, sozusagen aus Frust lesbisch werden. Leider wird in unserer Gesellschaft immer noch vielfältig vermittelt, dass Homosexualität nicht "normal" sei, was vollkommener Blödsinn ist.
Es gibt eine Bewegung lesbischer Frauen und schwuler Männer, die selbstbewusst immer mehr an die Öffentlichkeit gehen und viel dazu beitragen, dass sich das negative Bild in der Gesellschaft langsam verändert. So werden die "Christopher Street Days" (CSD) jährlich mit Paraden, Demonstrationen und anderen Veranstaltungen von Lesben und Schwulen in vielen Städten selbstbewusst und fröhlich gefeiert. An Pfingsten gibt es jedes Jahr ein bundesweites Treffen für Lesben, den Lesbenfrühling (LFT), sowie übers Jahr verteilt in vielen Städten kulturelle Angebote für lesbische Mädchen und junge Frauen.
Wann bin ich lesbisch?
Ein Mädchen oder eine Frau ist lesbisch oder homosexuell, wenn sie sich emotional und sexuell zu anderen Mädchen und Frauen hingezogen fühlt, wenn sie zu anderen Mädchen oder Frauen eine Liebesbeziehung und / oder sexuelle Beziehungen hat. Du musst aber nicht erst Sexualität mit einem anderen Mädchen gelebt haben, um zu wissen, ob du lesbisch bist oder nicht. Verlasse dich hier auf dein Gefühl. Wenn du dich einmal in ein anderes Mädchen verliebst oder es genießt, deine Freundin zu küssen oder zu streicheln, heißt das nicht automatisch, dass du jetzt lesbisch bist und dies für immer bleiben wirst. Probiere einfach aus, wie du dich wohl fühlst, und mit wem du Sexualität genießen möchtest und kannst.
Lesbisch zu sein ist nichts schlimmes, wie es "die" Gesellschaft im Großen und Ganzen propagieren will. Lass dir Zeit, finde heraus, was du möchtest. Du bist keines Falls alleine mit deinen Gefühlen, es gibt in jeder größeren Stadt Lesbisch- und Schwule Gruppen, dort sind Leute denen du Fragen stellen kannst. Mit denen du auch sprechen kannst ohne Angst zu haben, dass jemand lacht oder sowas.