Das Christentum ist mit ca. 2 Milliarden Anhängern die größte Religion der Erde und eine der sieben Weltreligionen. Der Begriff Christentum (griech. christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen. Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren.
Das Christentum ist eine monotheistische, gestiftete und missionierende Religion. Ihre Wurzeln liegen im Judentum des zweiten Tempels, in Palästina, zur Zeit der römischen Herrschaft vor circa 2000 Jahren. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger eines jüdischen Wanderpredigers namens Jesus von Nazareth. Jesus wird von den Christen als der Christus, also der jüdische Messias verehrt sowie als der Mensch gewordene Gottessohn.
Was möchte uns also die größte Weltreligion über Homosexualität sagen? Werden Lesben und Schwule akzeptiert und unterstützt?
Christentum
Ein besonderes Spannungsverhältnis besteht in Fällen von Homosexuellen, die auch an den christlichen Gott glauben, allerdings von den großen Kirchen zurückgestoßen werden.
Der Altkatholische Bischof Joachim Vobbe hat in seinem weiter unten zitierten Hirtenbrief das besondere Spannungsverhältnis zwischen Homosexuellen und Kirchen auf den Punkt gebracht:
In diesem Zusammenhang möchte ich stellvertretend für meine eigene Kirche ein Schuldbekenntnis nachholen: Die Kirche hat - vermutlich aufgrund ihrer eigenen distanzierten Einstellung - beharrlicher geschwiegen zur Ausgrenzung, Verfolgung, Verstümmelung und Tötung homosexueller Menschen als zu manchen anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist deshalb verständlich, wenn das Verhältnis von Homosexuellen zur Kirche immer noch mitgeprägt ist von Traumatisierungen. Aufgrund dieser geschichtlichen Belastung ist es wohl bisweilen noch recht schwer, unbefangen miteinander umzugehen und differenzierende Aussagen zu machen, die nicht als Diffamierung oder Diskriminierung empfunden werden.
Von Jesus Christus selbst sind keine Aussagen über homosexuelles Verhalten überliefert, weder im positiven noch im negativen. Seine Freundschaft zu Außenseitern und Sündern zieht sich jedoch durch das ganze Neue Testament. Am ehesten läßt sich vielleicht Matthäus 19,12 heranziehen, wo Jesus davon spricht, dass "manche von Geburt an zur Ehe unfähig" sind; dies ohne Verurteilung. Auch heilt Jesus den Diener eines römischen Hauptmannes auf dessen Bitte hin. Es ist ungewöhnlich, dass ein heidnischer Hauptmann sich für einen einfachen Sklaven so vor einem Juden demütigt. Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass es sich um einen Geliebten des Römers handelt, was für Jesus dann ebenso offensichtlich gewesen sein muss.
Römisch-Katholische Kirche
Gemäß der römischen Glaubenskongregation ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar "ungeordnet" und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber als solche noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als schwere Sünde angesehen werden. Da nach offizieller Auffassung der Römisch-Katholischen Kirche Homosexualität die göttliche Ordnung verletzt, könne keine Kompromisshaltung eingenommen werden. Allerdings solle die betreffende Person die Verbindung zur Kirche nicht ganz abbrechen.
In einer Stellungnahme der Kongregation für die Glaubenslehre vom 3. Juni 2003 wird festgestellt: "Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen.
Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören."
Einer der maßgeblichen kurialen Wortführer gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften war bzw. ist Papst Benedikt XVI., der schon in seiner Zeit als Kardinal und Vorsitzender der Glaubenskongregation entsprechende Äußerungen getan hat.
Innerhalb der Kirche wird diese Haltung jedoch nicht mehr in allen Ländern von der Mehrheit getragen, sondern es gibt hier große kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen katholischen Gebieten. Nach einer aktuellen Befragung, die von der Bischofskonferenz Brasiliens in Auftrag gegeben wurde, geben 62% von 1831 befragten katholischen Priestern an, dass sie die Verurteilung der Homosexualität durch die katholische Kirche nicht teilen. (http://www.networld.at/index.html?/articles/0417/15/79989.shtml)
Eine ältere Umfrage vom Januar 2001, durchgeführt von der Utrechter Universität im Auftrag der Zeitschrift "Gay Krant", ergab, dass von 339 befragten katholischen Priestern in Holland 56% eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft in ihrer Kirche segnen würden, 83% würden dies im Privaten tun. (http://www.advocate.com/html/news/012601/012601news06.asp)
So zeigt sich auch bei manchen Theologen inzwischen eine andere Haltung (siehe beispielsweise 'Lexikon für Theologie und Kirche' (http://www.dominikaner.de/hsx/artlthk.htm)); andere Strömungen halten freilich mit dem offiziellen Lehramt der Kirche fest an der traditionellen Ablehnung (Die sittliche Beurteilung der Homosexualität (http://stjosef.at/dokumente/kirche_und_homosexualitaet_moralhistorisch.htm)).
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Orthodoxe Kirche
Die Lehre der Orthodoxen entspricht im wesentlichen der katholischen Lehre. Bloße homosexuelle Neigungen gelten nicht als Sünde (denn jeder Mensch hat böse Neigungen), deren praktisches Ausleben dagegen schon. Die Gläubigen sind angehalten, bösen Neigungen aller Art, darunter auch der Homosexualität, nicht nachzugeben, sondern sie ihr Leben lang zu bekämpfen. Nach der Weihe von Gene Robinson zum ersten offen schwulen Bischof der zur anglikanischen Kirchengemeinschaft gehörigen Protestant Episcopal Church in the USA hat der Patriarch der (orientalisch-orthodoxen) Kopten von Alexandria in Ägypten heftigst protestiert und das Ende des ökumenischen Gesprächs mit dieser Kirche angekündigt.
Entsprechend reagierte auch die russisch-orthodoxe Kirche. Auch ein Großteil der Rastafari-Anhänger vor allem auf Jamaika, die sich teilweise der ebenfalls orientalisch-orthodoxen Kirche Äthiopiens angeschlossen haben, pflegen eine ausgesprochene Homophobie - unter anderem sichtbar in der Reggae-Musik, in der u.a. zum Mord an Schwulen und Lesben aufgerufen wird. Allerdings finden sich solche Texte vor allem im säkularen Dancehall-Reggae, weniger im religiösen Roots Reggae.
Protestantische und evangelische Kirchen
Da diese Kirchen und Gemeinschaften keine gemeinsame oberste Autorität kennen (außer der Bibel) gibt es hier eine große Bandbreite; insbesondere einige Freikirchen verurteilen Homosexualität noch wesentlich schärfer als die katholische Kirche.
Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) vertritt allgemein eine liberalere Haltung zur Homosexualität. Es liegt im Ermessen der einzelnen Landeskirchen und der Gemeinden, inwieweit sie homosexuelle Geistliche akzeptieren. Viele Landeskirchen bieten auch an, diese Partnerschaften segnen zu lassen. (Rheinland, Berlin-Brandenburg, Nordelbien u.a.).
Die meisten Freikirchen akzeptieren die Homosexuellen als Personen, unabhängig davon dass sie nach Lehre dieser Kirchen durch ihren Lebenstil eine Greuelsünde begehen, aber sie lehnen die praktizierte Homosexualität ab. Der Homosexuelle kann ihrer Ansicht nach durch Jesus Christus frei werden und sein Leben so führen, wie er von Gott geschaffen wurde, "als Mann und Frau". Teilweise wird gelehrt, durch den Glauben oder eine entsprechende Therapie könne in manchen Fällen die Neigung zur Homosexualität überwunden werden -- dies steht im Gegensatz zur katholischen und orthodoxen Kirche, die sagen, dass durch den Glauben die Kraft gewonnen werden kann, der Neigung zu widerstehen, und die sich nicht zur Veränderbarkeit der Neigung äußern.
Andererseits gibt es auch freikirchliche Gemeinden, die Homosexuelle explizit willkommen heißen und keine Vorbehalte gegen Homosexualität haben. Es gibt sogar eine Freikirche, die Metropolitan Community Church, die sich explizit an LesBiSchwule Menschen wendet. (Zum Beispiel MCC Köln (http://www.mcc-koeln.de).)
Alt-Katholische Kirche
Die deutschen Altkatholiken haben seit langem eine sehr liberale Haltung gegenüber der Homosexualität vertreten. Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften befürworten sie grundsätzlich mit der Begründung, wenn zwei Menschen den Pfarrer um den Segen Gottes für etwas ersuchen, so ist es nicht die Sache des Pfarrers als bloßem Boten Gottes, ihnen diesen zu verwehren, unabhängig von seiner persönlichen Meinung.
In seinem Hirtenbrief zum Ehesakrament führte Bischof Joachim Vobbe die Problematik gleichgeschlechtlicher Menschen und Partnerschaften näher aus:
Unbestritten dürfte für uns Christen sein, daß gleichgeschlechtlich empfindende Menschen einen ebensolchen Anspruch darauf haben, zu lieben und geliebt zu werden und - vor allem - sich selbst achten zu dürfen, wie andere Menschen auch. Unbestritten ist weiter, daß Bindungen an die Nachfolge Jesu, Liebe und Treue einen biblisch begründeten Eigenwert haben - jenseits der Bewertung sexueller Orientierung oder gar konkreter sexueller Praktiken.
Sicherlich darf man feststellen, daß eine gleichgeschlechtliche Verbindung (...) etwas anderes ist als eine Ehe.
Mir geht es hier nicht um die Gutheißung oder Ablehnung dieser oder jener sexuellen Praxis. Was hier "nützlich" oder "schädlich", "verträglich" oder gesundheitsgefährdend ist, ist im hetero- wie im homosexuellen Falle wesentlich eine medizinische bzw. psychologische Frage. (...) Ethisch verwerflich ist selbstverständlich jedes hetero- wie homosexuelle Verhalten, welches abhängige Menschen ausbeutet, Unmündige mißbraucht oder Treueverbindungen hintergeht. Gleichgeschlechtliche Liebe bestimmt sich im obigen Zusammenhang also nicht von der Intensität und Art des Intimlebens, sondern nur von der Tatsache, ob ein Mann oder eine Frau sich emotional und erotisch unabänderlich mehr zum eigenen Geschlecht als zum anderen hingezogen fühlen.
Quelle: Bischof Joachim Vobbe: "Gott traut uns. Wir trauen Gott. Gedanken zum Ehesakrament." S.39ff. Alt-Katholischen Bistumsverlag 2003, ISBN 3-934610-19-6
Diese liberale Haltung hat zu einem gewissen Zulauf durch Homosexuelle zur Altkatholischen Kirche geführt, die in den größeren Kirchen ausgegrenzt wurden, trotzdem aber eine Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Religion erstreben. In der Altkatholischen Kirche sind sie so zu einer voll integrierten, geachteten Minderheit geworden.
Quelle: wikipedia.org