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Chronik lesbischer EreignisseSamstag, 10. Februar 2007
um 600 v. Chr.
Sappho (eigentlich Psappho) wird in Mytilene auf Lesbos geboren. Ab 580 v. Chr. sammelt sie im kult der Aphrodite und der Musen junge Frauen in ihrer Mädchenschule um sich. Die Liebesgedichte, die sie an ihre Schülerinnen schreibt, gelten als die ersten überlieferten lesbischen Schriften. Sappho wird als die größte Lyrikerin des Altertums angesehen. 1073 Die katholische Kirche verbrennt alle bekannten Liebesgeschichten von Sappho. Heute existiert nur noch etwa ein Zwanzigstel ihres Werkes - und das nur aufgrund eines archäologischen Funds im Jahre 1897. um 1260 In Orléans wird das Gesetz erlassen, daß Frauen, die des lesbischen Verhaltens für schuldig befunden werden, die Klitoris entfernt wird; beim zweiten Vergehen droht ihnen die weitere Verstümmelung, beim dritten Mal der Scheiterhaufen. 1585 In einem der ersten überlieferten Fälle von Masochismus läßt sich Schwester Maria Magdalene de Pazzi von anderen Nonnen fesseln und mit heißem Wachs beträufeln. Sie zwingt außerdem eine Novizin ihres Klosters dazu, sie zu schlagen. 1649 Die Veröffentlichung des Buchs Venus im Kloster oder Die Nonne in ihrer Tracht sorgt in Frankreich für einen Skandal. In dieser frühen pornographischen Schrift, die sich an männliche Leser richtet, geht es um lesbische Nonnen. 1738 Maria und Carolien sind eines der ersten überlieferten Lesbenpaare, die heiraten. Allerdings tritt Carolien als Willem vor den Altar der Posthoornkirche in Amsterdam. Bereits kurz nach der Hochzeit werden sie verraten, und die Ehe wird annulliert. 1810 In Großbritannien beschuldigt die Mutter einer Schülerin zwei Lehrerinnen eines Mädcheninternats, Marianne Woods und Jane Pirie, des "unschicklichen und kriminellen Verhaltens". Das Gericht debattiert darüber, ob eine sexuelle Beziehung zwischen Frauen überhaupt möglich sei. Dieser Vorfall dient Lillian Hellman 120 Jahre später als Vorlage für ihr Theaterstück The Children's Hour, das 1936 in einer heterosexualisierten Version (These Three) und 1961 - näher am Original - mit Audrey Hepburn und Shirley MacLaine verfilmt wird (dt. Titel: Infam). 1919 Im Askanischen Verlag erscheint Der Skorpion von Anna Elisabet Weirauch, der als der erste deutsche Lesbenroman gilt. 1920 Die lesbische Schriftstellerin Natalie Barney veröffentlicht in Frankreich Pensées d'une amazone. Das Buch enthält Gedanken zum Thema Homosexualität und nimmt unter anderem Bezug auf die schwulen Autoren Karl Heinrich Ulrichs, Walt Whitman und Oscar Wilde. 1925 Esther und Anja, Klaus Manns Theaterstück über ein lesbisches Paar, wird uraufgeführt. Die Hauptrollen spielen Erika Mann und Pamela Wedekind, die zu diesem Zeitpunkt auch privat liiert sind. 1928 In ihrem Roman The Well of Lonelines (Der Quell der Einsamkeit) bittet die lesbische Autorin Radclyffe Hall um "barmherzige Toleranz" für Lesben. 1931 Die lesbische Regisseurin Leontine Sagan verfilmt Mädchen in Uniform nach dem Stück der ebenfalls lesbischen Autorin Christa Winsloe. 1958 wird das Buch mit Romy Schneider und Lilli Palmer in den Hauptrollen neu verfilmt. 1933 Eine lesbische Frau mit dem Pseudonym Mammina gründet in der Schweiz den lesbisch-schwulen Club Der Kreis/Le Cercle. Zehn Jahre später ziehen sich sie und die anderen lesbischen Mitglieder aus Der Kreis zurück. 1933-1945 Während des Nationalsozialismus ist in Deutschland die weibliche Homosexualität im Gegensatz zur männlichen nicht strafbar (Im Anschlußgebiet Österreich schon). Lesbische Frauen werden nicht systematisch verfolgt, da sie sowohl aus sittlicher als auch aus bevölterungspolitischer Sicht als eine vergleichweise geringe Gefahr gelten. Viele Lesben werden jedoch als "Asoziale" (oft unter dem Vorwurf der Prostitution), als "Politische" oder als "Kriminelle" (etwa wegen "Nötigung zur Unzucht") ins Konzentrationslager verschleppt. Bekannt ist auch, daß häufig gerade Lesben in die Zwangsbordelle der KZs kamen. 1969 In der Nacht vom 27. zum 28. Juni wehren sich Lesben und Schwule im New Yorker Stadtteil Greenwich Village zum ersten Mal gegen die brutalen Polizei-Razzien in ihren Bars und Treffpunkten. Die Straßenschlacht vor der Kneipe Stonewall Inn in der Christoper Street gilt als der Beginn der modernen Lesben- und Schwulenbewegung und wird heute auf der ganzen Welt als "Feiertag" (in Deutschland als Christopher Street Day - CSD) gefeiert. 1971 In Berlin gründen Frauen eine "schwule Frauengruppe" innerhalb der HAW (Homosexuelle Aktion West-Berlin). Später nennen sie sich LAZ (Lesbisches Aktionszentrum) und trennen sich von den Schwulen. Das LAZ besteht bis 1982. In Berlin eröffnet die erste Frauenkneipe im Nachkriegs-Deutschland; Blocksberg. 1972 Die Lesben der HAW veranstalten in Berlin - noch gemeinsam mit den Schwulen, jedoch in separaten Räumen - das erste Pfingsttreffen. 1974 findet es zum ersten Mal ohne die Schwulen statt. Das Lesbenfrühlingstreffen, wie es heute heißt, wandert seit 1979 durch verschiedene Städte und zieht immer noch Tausende von Besucherinnen an. 1973 Im dänischen Femo findet das erste FrauenLesbe-Camp statt, das bis heute jährlich von Juli bis Augus auch von vielen deutschen Lesben besucht wird. Als erste Lesben- und Schwulenorganisation der DDR wird die HIB (Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin) gegründet. 1976 wird der HIB die Aufnahme ins Vereinsregister der DDR verwehrt, ab 1978 ist sie de facto verboten. Anfang der achtziger Jahre löst sie sich auf. Das ZDF zeigt die Dokumentation Zärtlichkeit und Rebellion über lesbische Emanzipationsgruppen. Spinnboden - Archiv zur Entdeckung und Bewahrung der Frauenliebe, das erste deutsprachige Lesbenarchiv, wird in Berlin eröffnet. In den USA erscheint Rita Mae Browns Roman Rubinroter Dschungel. 1974 Der Mordprozeß in Itzehoe gegen das Lesbenpaar Marion Ihns und Judy Andersen wird von einer beispiellosen Medienkampagne gegen Lesben begleitet und mobilisiert zahlreiche Frauen zu Protestaktionen. Die Ausstrahlung des TV-Films Und wir nehmen un unser Recht über das LAZ führt dazu, daß noch im selben Jahr autonome Lesben-Gruppen in der ganzen Bundesrepublik entstehen. 1975 In Muenchen eröffnet Lillemor, der erste Frauenbuchladen in Deutschland. Der Coming-Out-Roman Häutungen von Verena Stefan, der fast ausschließlich durch Mundpropaganda bekannt wird, erreicht innerhalb eines Jahres eine Auflage von 44.000. Bis heute sind rund 250.000 Exemplare verkauft worden. ... 1976
In den USA treffen sich 2000 Frauen zum ersten Mal auf dem Michigan Womyn's Music Festival, das heute mit rund 9000 Besucherinnen das größte Lesbentreffen der Welt ist. 1979 Einige hundert TeilnehmerInnen demonstrieren in Berlin und Bremen bei den ersten bundesdeutschen Christopher Street Day-Demos. Lesben spielen dabei allerdings noch keine große Rolle. In Koeln feiern Lesben und Schwule den "Gay Freedom Day". In Washington, D.C./USA nehmen 100.000 Menschen an der größten Lesben- und Schwulendemo, die es jemals gab, teil. 1982 Als erste bundesweite Organisation lesbischer Frauen wird der Lesbenring e.V. gegründet. In Leipzig entsteht der erste Arbeitskreis Homosexualität der DDR. Er zieht die Gründung zahlreicher weiterer Gruppen nach sich, so in Berlin, Dresden, Erfurt und Magdeburg. Die Berliner Gruppe Lesben in der Kirche ist bis Mitte der achtziger Jahre die einzige rein lesbische Gruppe in der DDR. Marina Navratilova gewinnt zum ersten Mal das Tennis-Turnier in Wimbledon und wird damit zur berühmtesten Lesbe der Welt. An den ersten Gay Games in San Francisco nehmen 1300 SportlerInnen aus 22 Nationen teil. Weitere Gay Games finden 1986 in San Francisco, 1990 in Vancouver, 1994 in New York und 1998 - zum ersten Mal außerhalb des amerikanischen Kontinents - in Amsterdam statt. 1983 Im Hunsrück wird das Frauen/Lesben-Widerstandscamp gegründet. Bis 1993 bietet es während der Sommerferien Raum für Diskussionen innerhalb der Lesbenbewegung. 1985 2500 Lesben aus ganz West-Deutschland treffen sich in Berlin zur ersten Lesbenwoche. Die Lesbenwoche, die danach jährlich während der Herbstferien stattfindet, wird zum Forum der Lesbenbewegung. Die regelmäßigen Konflikte - über Behindertenfeindlichkeit, Rassismus und zuletzt die Frage nach der Teilnahme von Transsexuellen - führen Mitte der neunziger Jahre dazu, daß die Teilnehmerinnen-Zahlen drastisch sinken und die Weiterexistenz der Lesbenwoche regelmäßig in Frage gestellt wird. Das 1. Frauenfest der Lesben des Kirchlichen Arbeitskreises Homosexualität findet in Dresden statt. In den folgenden Jahren gibt es auch in Jeny und Leipzig Lesbentreffen. In Koeln werden die ersten Sappho-Kulturtage veranstaltet. 1986 Nach der Auflösung des HIB ist der neugegründete - und noch heute existierende - Sonntags-Club die einzige Lesben- und Schwulenorganisation der DDR. 1987 Als erste offen lesbische Abgeordnete zieht Jutta Oesterle-Schwerin für die Grünen in den Budestag ein. In Dresden gründet sich eine lesbisch-schwule Arbeitsgruppe mit dem Namen GEREDE. Beim zweiten March on Washington, der ganz im Zeichen von Aids steht, versammeln sich in der US-amerikanischen Hauptstadt 500.00 Lesben und Schwule. 1988 In Halle/Saale wird erstmals auf einem evangelischen Kirchtag in der DDR ein eigens Forum für Lesben angeboten. Bisher waren die Lesben auf kirchlichen Veranstaltungen nur außerhalb des offiziellen Programms und meist gemeinsam mit Schwulen aufgetreten. 1989 Der rot-gruen regierte Berliner Senat richtet das bundesweit erste Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ein. Leiterin ist die lesbische Frauensenatorin Anne Klein. Am 1. Oktober führt Dänemark als erstes Land der Welt die registriete Partnerschaft für homosexuelle Paare ein. 1990 Chastity Bono, die Tochter des Filmstars Cher und des konservativen Politikers Sonny Bono, ist die erste lesbische Prominente, deren Homosexualität von den Medien publik gemacht wird. Die US-Zeitschrift OutWeek erfindes das Outing als lesben- und schwulenpolitische Aktionsform. Eine lesbisch-schwule Aktionsgruppe greift die Idee auf und verbreitet Plakate, auf denen unter anderem Jodie Foster, Whitney Houston und Debra Winger als "absolutely queer" bezeichnet werden. Auch in Deutschland löst das Outing, angeheizt von Rosa von Praunheim und einigen Medien, heiße Diskussionen aus. Geoutet werden allerdings nur Schwule. Hella von Sinnen ist die erste deutsche TV-Prominente, die öffentlich darüber spricht, lesbisch zu sein. 1991 Amnesty International beschließt, lesbische und schwule Häftlinge zu betreuen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung im Gefängnis sind. Der Berliner Lokalsender FAB sendet Läsbisch-TV, das erste lesbische Fernsehmagazin der Welt. Aus Angst, Werbekunden zu verschrecken, wird die Sendung Ende 1993 abgesetzt. Hella von Sinnen und Cornelia Scheel verkünden, daß sie heiraten wollen und gemeinsam mit anderen Lesben und Schwulen das Recht vor dem Bundesverfassungsgericht einklagen werden. 1992 Rund 150 lesbische und schwule Paare bestellen am 19. August auf deutschen Standesämtern das Aufgebot, um ihre Forderung nach dem Recht auf Ehe Nachdruck zu verleihen. In New York wird die Aktionsgruppe Lesbian Avengers gegründet - eine Idee, die sich schnell - auch in Deutschland - ausbreitet. 1993 Die Weltgesundheitsorganisation WHO streicht Homosexualität von ihrer "Internationalen Liste der Krankheiten". Das Bundesverfassungsgericht lehnt die Verfassungsklage, mit der das Recht der Lesben und Schwulen auf Eheschließung eingeklagt werden sollte, ab. Mit rund einer Million TeilnehmerInnen ist der dritte March on Washington die bislang größte Lesben- und Schwulen Demo der Welt. 1994 Brandenburg wird das erste deutsche Bundesland, dessen Verfassung ein Antidiskriminierungsgesetz für Lesben und Schwule enthält. Ein Jahr später folgt Berlin. LIS - Lesben in Sicht geht im Offenen Kanal Hamburg auf Sendung und ist jetzt das einzige Lesbenmagazin im deutschen Fernsehen. 1995 Die Begriffe "Lesben" und "sexuelle Orientierung" finden erstmals Eingang in offizielle Dokumente der Vereinten Nationen. Auf der Weltfrauenkonferenz in Peking versuchen der Vatikan und einigen Staaten wie der Iran, Sudan und Jemen zu verhindern, daß das von Lesben geforderte Konzepte der sexuellen Rechte in den Katalog der Menschenrechte und in die Abschlußdeklaration aufgenommen wird. Die Formulierung lautet schließlich, daß Frauen das Recht auf "freie und verantwortungsvolle Kontrolle und Entscheidung über die Dinge (haben), die mit ihrer Sexualiät zu tun haben, einschließlich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt". In Frankfurt/M. finden erstmals die EuroGames statt, eine kleinere Variante der Gay Games. Über 2000 Sportlerinnen aus 13 Ländern treten an. In den beiden folgenden Jahren werden die EuroGames in Berlin und Paris ausgetragen. 1996 In Berlin öffnet Deutschlands erste betreute WG für lesbische Mädchen. 1997 Ellen DeGeneres und Anne Heche sind die bislang berühmtesten US-Schauspielerinnen, die sich als Lesbe outen. Gleichzeitig wird DeGeneres' Sitcom Ellen zur ersten Serie der Welt mit einer lesbischen Hauptfigur. 1998 Der Amsterdamer Vertrag tritt in Kraft. Der neue Artikel 13 in diesem europäischen Abkommen stellt die Grundlage für den möglichen Erlaß eines europäischen Antidiskrimierungsgesetzes dar. Im März wird in Rumänien Mariana Cetiner aufgrund massiven Drucks aus dem Ausland aus dem Gefängnis entlassen. Sie war im Juni 1996 wegen des angeblichen Versuchs, eine Frau zu verführen, zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Niederlanden sind der einzige Staat der Welt, in dem registrierte Homo-Paare gemeinsam Kinder adoptieren dürfen. Lesbische Paare sollen außerdem das gemeinsame Sorgerecht für Kinder erhalten, die durch Insemination geboren werden. Die Innenbehörden der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin und Hessen erteilen die Weisung, wonach ausländischen Lesben und Schwulen zur Führung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden kann bzw. - in Hamburg - muß. Auf Antrag von Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beschließt der Bundesrat mehrheitlich, die künftige Bundesregierung aufzufordern, einen Rechtsstatus für lesbische und schwule Partnerschaften zu schaffen. Quelle: aus dem Internet zusammen getragen. 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