Samstag, 10. Februar 2007
Im Buddhismus wird generell das Thema Sex tabuisiert, sexuelle Handlungen unter den männlichen Mönchen werden aber verurteilt. Der Dalai Lama, Oberhaupt der tibetanischen Buddhisten, beschreibt die Homosexualität als „ein schlechtes sexuelles Verhalten“. Es gibt buddhistische Staaten, in denen die gleichgeschlechtliche Liebe bestraft wird.
In den allermeisten Religionen wird also Homosexualität vom Grundsatz her als schlecht beurteilt. Oft hängt jedoch die negative Einstellung von Unwissenheit, Vorurteilen und dem allgemeinen Tenor in der jeweiligen Gesellschaft ab und weniger von religiösen Gesetzen. Jedoch ist es in der Regel so, dass man sich außerhalb Westeuropas und Teilen Nordamerikas nicht unbedingt als homosexuell zeigen sollte, da es immer noch zu erheblichen Problemen führen kann.
Quelle: http://www.seidu.de
Wer war Buddha?
Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, wurde etwa 560 v. Chr. in Nordindien geboren und starb im Alter von 80 Jahren. Er entstammte dem Adelsgeschlecht der Sakyer (daher die Bezeichnung Buddha Sakyamuni) und verbrachte eine unbeschwerte Jugend im materiellen Überfluss, heiratete mit 16 Jahren und hatte einen Sohn. Mit 29 Jahren verlässt er die Palastanlage seiner Familie und begegnet dabei zum ersten Mal einem Greis, einem Schwerkranken und einem Toten. Nun weiß er, dass Alter, Krankheit und Tod unausweichlich mit dem menschlichen Leben verbunden sind. Die ihm bislang selbstverständlichen Vergnügungen verlieren ihren Reiz und er beschließt, von jetzt an die Grundlage für nicht vergängliches, dauerhaftes Glück zu suchen.
Nach sechs Jahren voll vergeblicher Versuche, dies zu erreichen - ob durch Askese oder die Auseinandersetzung mit den besten Philosophien seiner Zeit -, setzt er sich in der Nähe des heutigen Bodh-Gaya unter einem Feigenbaum nieder und verspricht, nicht wieder aufzustehen, bevor er sein Ziel erreicht hat. Schließlich erkennt er in tiefer Meditation das Wesen des Geistes und wird damit erleuchtet, also ein Buddha, ein "vollkommen Erwachter". Von nun an lehrt er 45 Jahre lang, gründet einen Mönchs- und einen Nonnenorden und gewinnt viele Laienanhänger. Er stirbt mit 80 Jahren und empfiehlt kurz vor dem Tod seinen Anhängern, seiner Lehre nicht blind zu folgen, sondern alles anhand der eigenen Erfahrung zu überprüfen.
Grundlagen von Buddhas Lehre
Buddha erklärt, wie die Welt funktioniert - also was letztendlich wirklich und was bedingt ist. Dieses Verständnis ermöglicht das Erleben dauerhaften Glücks.
Die Vier Edlen Wahrheiten bilden den Kern seiner Lehre:
1. Solange der Geist seine Natur nicht erkannt hat, gehört zum Leben zwar Freude, aber auch Leid. Zumindest Alter, Krankheit und Tod sind unvermeidbar und werden als unangenehm erlebt.
2. Es gibt bestimmte Ursachen, warum der Geist seine wahre Natur nicht sieht.
3. Jeder kann die Natur seines Geistes erkennen, also erleuchtet werden.
4. Es gibt praktische Mittel, um das zu erreichen.
Dabei kennt Buddhas Lehre keine Dogmen - nichts muss geglaubt oder ohne Prüfung vorausgesetzt werden. Ihr Ziel ist die volle Entfaltung der einem jeden innewohnenden Möglichkeiten. Zum Aufbau von Wissen hinzu kommen Meditationen als das praktische Mittel, um dauerhaftes Glück zu erreichen: Durch sie wird das Verstandene zur eigenen Erfahrung. Ergänzend achtet man vor allem im Theravada darauf, leidbringendes Verhalten zu vermeiden. Im Mahayana verschiebt sich dieser Schwerpunkt auf die Vermeidung von Zorn, im Varayana darauf, die Welt stets aus einer reichen und selbstbefreienden Sichtweise heraus zu erfahren.
Ausgehend vom Wirken des historischen Buddha entwickelte sich der Buddhismus zu einer Weltreligion mit ununterbrochener Überlieferung. Sie wendet sich an alle suchenden Menschen, unabhängig von Rasse, Nation, sozialer Herkunft, Persönlichkeit und Geschlecht. Dabei stellt sie den Menschen immer in seine eigene Verantwortung (Ursache und Wirkung). Sie zeichnet sich zudem durch Toleranz und Gewaltlosigkeit aus.
Weitere Informationen:
http://www.buddhismus.de
http://www.buddhismus-heute.de
http://www.dharma.de
Samstag, 10. Februar 2007
Das Christentum ist mit ca. 2 Milliarden Anhängern die größte Religion der Erde und eine der sieben Weltreligionen. Der Begriff Christentum (griech. christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen. Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren.
Das Christentum ist eine monotheistische, gestiftete und missionierende Religion. Ihre Wurzeln liegen im Judentum des zweiten Tempels, in Palästina, zur Zeit der römischen Herrschaft vor circa 2000 Jahren. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger eines jüdischen Wanderpredigers namens Jesus von Nazareth. Jesus wird von den Christen als der Christus, also der jüdische Messias verehrt sowie als der Mensch gewordene Gottessohn.
Was möchte uns also die größte Weltreligion über Homosexualität sagen? Werden Lesben und Schwule akzeptiert und unterstützt?
Christentum
Ein besonderes Spannungsverhältnis besteht in Fällen von Homosexuellen, die auch an den christlichen Gott glauben, allerdings von den großen Kirchen zurückgestoßen werden.
Der Altkatholische Bischof Joachim Vobbe hat in seinem weiter unten zitierten Hirtenbrief das besondere Spannungsverhältnis zwischen Homosexuellen und Kirchen auf den Punkt gebracht:
In diesem Zusammenhang möchte ich stellvertretend für meine eigene Kirche ein Schuldbekenntnis nachholen: Die Kirche hat - vermutlich aufgrund ihrer eigenen distanzierten Einstellung - beharrlicher geschwiegen zur Ausgrenzung, Verfolgung, Verstümmelung und Tötung homosexueller Menschen als zu manchen anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist deshalb verständlich, wenn das Verhältnis von Homosexuellen zur Kirche immer noch mitgeprägt ist von Traumatisierungen. Aufgrund dieser geschichtlichen Belastung ist es wohl bisweilen noch recht schwer, unbefangen miteinander umzugehen und differenzierende Aussagen zu machen, die nicht als Diffamierung oder Diskriminierung empfunden werden.
Von Jesus Christus selbst sind keine Aussagen über homosexuelles Verhalten überliefert, weder im positiven noch im negativen. Seine Freundschaft zu Außenseitern und Sündern zieht sich jedoch durch das ganze Neue Testament. Am ehesten läßt sich vielleicht Matthäus 19,12 heranziehen, wo Jesus davon spricht, dass "manche von Geburt an zur Ehe unfähig" sind; dies ohne Verurteilung. Auch heilt Jesus den Diener eines römischen Hauptmannes auf dessen Bitte hin. Es ist ungewöhnlich, dass ein heidnischer Hauptmann sich für einen einfachen Sklaven so vor einem Juden demütigt. Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass es sich um einen Geliebten des Römers handelt, was für Jesus dann ebenso offensichtlich gewesen sein muss.
Römisch-Katholische Kirche
Gemäß der römischen Glaubenskongregation ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar "ungeordnet" und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber als solche noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als schwere Sünde angesehen werden. Da nach offizieller Auffassung der Römisch-Katholischen Kirche Homosexualität die göttliche Ordnung verletzt, könne keine Kompromisshaltung eingenommen werden. Allerdings solle die betreffende Person die Verbindung zur Kirche nicht ganz abbrechen.
In einer Stellungnahme der Kongregation für die Glaubenslehre vom 3. Juni 2003 wird festgestellt: "Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen.
Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören."
Einer der maßgeblichen kurialen Wortführer gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften war bzw. ist Papst Benedikt XVI., der schon in seiner Zeit als Kardinal und Vorsitzender der Glaubenskongregation entsprechende Äußerungen getan hat.
Innerhalb der Kirche wird diese Haltung jedoch nicht mehr in allen Ländern von der Mehrheit getragen, sondern es gibt hier große kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen katholischen Gebieten. Nach einer aktuellen Befragung, die von der Bischofskonferenz Brasiliens in Auftrag gegeben wurde, geben 62% von 1831 befragten katholischen Priestern an, dass sie die Verurteilung der Homosexualität durch die katholische Kirche nicht teilen. (http://www.networld.at/index.html?/articles/0417/15/79989.shtml)
Eine ältere Umfrage vom Januar 2001, durchgeführt von der Utrechter Universität im Auftrag der Zeitschrift "Gay Krant", ergab, dass von 339 befragten katholischen Priestern in Holland 56% eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft in ihrer Kirche segnen würden, 83% würden dies im Privaten tun. (http://www.advocate.com/html/news/012601/012601news06.asp)
So zeigt sich auch bei manchen Theologen inzwischen eine andere Haltung (siehe beispielsweise 'Lexikon für Theologie und Kirche' (http://www.dominikaner.de/hsx/artlthk.htm)); andere Strömungen halten freilich mit dem offiziellen Lehramt der Kirche fest an der traditionellen Ablehnung (Die sittliche Beurteilung der Homosexualität (http://stjosef.at/dokumente/kirche_und_homosexualitaet_moralhistorisch.htm)).
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Samstag, 10. Februar 2007
Hinduismus ist mit ca. 800 Mio. Anhängern drittgrößte Religionsgruppe und hat ihren Ursprung auf dem indischen Subkontinent. Der Hinduismus ist keine einheitlich organisierte Religionsgemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft vieler Religionsgemeinschaften mit ähnlicher Grundlage und Geschichte. Der Hindu sucht sich aus vielen Göttern (ca. 3 Mio.) seinen persönlichen Gott heraus. Es gibt kein Glaubensbekenntnis, keinen als einheitliche Person oder Kraft aufgefassten Gott und keinen Religionsstifter. Es gibt auch keine kanonisierte Schriftensammlung, die alleingültig ist oder als vollständig gilt. Eine zentrale Institution wie der Vatikan fehlt völlig. Dennoch haben religiöse Lehrer (Gurus) und Priester einen großen Stellenwert für den persönlichen Glauben.
Der Hinduismus ist eine Verschmelzung von zwei verschiedenen religiösen Systemen, die im Laufe der Zeit zu einer Einheit wurden: die altindische Religion und die Religion der aus dem Norden eingewanderten Arier. Die Urbevölkerung Indiens, deren Geschichte weitgehend im Dunkeln liegt, wurde im Laufe der Zeit immer weiter in den Süden verdrängt. Aus dieser Kultur stammen Elemente wie die Verehrung weiblicher Göttinnen, heiliger Tiere und der Phalluskult (Lingam). Im Rigveda (ca. 1200 v.Chr.) der Arier hingegen werden die Götter als personifizierte Naturkräfte beschrieben, die Texte erzählen von Gold, Rindern und Kämpfen.
In der nächsten Entwicklungsstufe (ca. 800 v.Chr) erhielt die Brahmanenkaste durch komplizierte Rituale einen hohen Grad an Einfluss. Seit 500 v.Chr. erfuhr der Hinduismus (damals als Brahmanismus bezeichnet) seine bis heute überlieferte wesentliche Ausgestaltung. Die Sprache der Überlieferung war Sanskrit, eine indogermanische Sprache, verwandt mit dem Latein. Als Hauptgötter galten nun Brahma, Vishnu und Shiva und es wurden Tempel gebaut, Götterstatuen aufgestellt und viele Kult- und Weihehandlungen entstanden. Seit dem 4. Jh v. Chr. verlor der Hinduismus durch den Buddhismus zwar Anhänger, er ging jedoch nie ganz unter und wurde erst im 4. Jh. von den damaligen Königen wieder bevorzugt. Seit dem 8. Jh. wurde der Hinduismus auch teilweise durch den Islam verdrängt und der Sikhismus entstand, sowie monotheistische Tendenzen.
Die Rolle der Frau im Hinduismus hat über die Jahrhunderte und Jahrtausende eine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht und muss immer auch im Zusammenhang mit den jeweiligen Lebensumständen gesehen werden. Einige Hymnen der Rigveda wurden von Frauen geschrieben, und in der Brhadaranyaka Upanishad finden wir einen Dialog zwischen der gelehrten Tochter von Vachaknu Gargi und Yajnavalkya. Aus dieser Zeit ist auch die Sitte des Svayamvara überliefert, wörtlich Selbstwahl: Frauen am Könighof werden nicht einfach verheiratet, sondern wählen den Bräutigam aus den in Frage kommenden Kandidaten selbst aus.
Ein zentrales Ritual, das Upanayana (Initiationsritus für Knaben) ist von frühester Zeit an jedoch Männern vorbehalten. Es ist dieser (den oberen Kasten vorbehaltene) Ritus, der einen Menschen zum Dvijati (Zweimalgeborenen) werden lässt. Nach der natürlichen Geburt stellt das Upanayana die kulturelle Geburt dar.
Kaum ein Text ist so aufschlussreich für die Rolle der Frau im neueren Hinduismus wie das Ramayana, der Geschichte von Rama und Sita. Sita wurde von dem Dämonen Ravana entführt und in Lanka festgehalten. Mit Hilfe Hanumans konnte sie befreit werden und zu Rama zurückgebracht werden. Dieser zweifelte jedoch an der Treue seiner Frau und erreichte, dass Sita sich einer Feuerprobe unterzog: sie stieg auf den Scheiterhaufen und wurde jedoch aufgrund ihrer Unschuld an Rama zurückgegeben. Im letzten (später angefügten) Buch des Ramayana wird Rama erneut misstraurisch, er verstößt sie und sie gebiert Zwillinge in der Einöde Valmiki. Dort zieht sie ihre (und Ramas) Söhne auf. Rama fordert Jahre später Sita erneut im Beisein der Götter zu einem Schwur auf. Sita beteuert, sie habe nie an einen anderen Mann gedacht und bittet Mutter Erde ihren Schoß für sie zu öffnen. Ein Thron erscheint und Sita entschwindet in den Himmel. Rama gibt daraufhin die Herrschaft an seine Söhne ab und wird im Himmel mit Sita vereint. Sita gilt auch heute noch als Inbegriff der treuen Ehefrau und Rama als moralisches Vorbild. Trotz seines Misstrauens, das so fatale Konsequenzen für Sita hatte, wirft dies keinen negativen Schatten auf das Rama-Bild. Sita rebelliert nicht gegen die ungerechte Behandlung, sie erduldet sie.
Insbesondere in der älteren Indologie findet man Einschätzungen wie z.B. "die Frauen wurden in Indien mit größerem Respekt behandelt als in anderen antiken Kulturen." Professor H.H. Wilson sagte, dass man mit Zuversicht feststellen könne, dass in keiner anderen antiken Nation die Frauen in so großer Achtung standen wie bei den Hindus. Bei diesen Aussagen ist zu berücksichtigen, dass früher Aussagen in alten Texten oftmals leichtfertig als Indiz für die soziale Realität betrachtet wurden. Es erscheint ratsam, die Schlussfolgerungen mit einer gewissen Skepsis zu betrachten.
84% der Bevölkerung Indiens bekennen sich zum Hinduismus. Somit prägen die damit verbundenen Werte und Normen das Land entscheidend. Interessant und widersprüchlich gestaltete sich das Verhältnis der Religion zu Fragen der Sexualität. In Zeiten allgemeiner Homophobie wird im heutigen Indien – insbesondere unter dem Einfluss des religiösen Fundamentalismus - des Öfteren behauptet, dass den großen auf dem Boden Indiens entstandenen Religionen Homosexualität fremd sei, und dass der Islam oder der Westen "diese Krankheit" auf den Subkontinent gebracht hätten. Homosexualität wird sogar in die Nähe krimineller Aktivitäten gestellt, für dessen Ausmerzung der Staat (Artikel 377 des indischen Strafgesetzbuches) Sorge zu tragen habe. Jedoch muss dem entgegen gehalten werden, dass sich diese Religionen diesbezüglich nie besonders hervorgetan haben.
Wie Hindu-Fundamentalisten zugeben müssen, stellt der Hinduismus ein äußerst komplexes Gebilde von religiösen Praktiken und Glaubensvorstellungen dar. Er umfasst unterschiedliche soziale Entwicklungen und Haltungen. In seinen Ursprüngen lassen sich so auch verschiedene gleichgeschlechtliche erotische Handlungen nachweisen, auch wenn sie meist Ausdruck von hierarchischen Machtverhältnissen waren.
Vanita arbeitete eine wichtige Tendenz im Hinduismus heraus, wonach die unterschiedlich geschlechtliche, monogame Beziehung nicht die Norm des menschlichen Lebens darstelle, sondern dass die Schriften und die mündlichen Legenden diesbezüglich vielfältige Formen erwähnen. Die zahlreichen Geschichten aus der hinduistischen Götterwelt sind reich an gleichgeschlechtlichen erotischen Abenteuern, Geschlechtsumwandlungen oder Ideen von einem dritten Geschlecht.
Als wichtigste Anhaltspunkte dieser Tendenz im Hinduismus gelten die androgynen und oftmals mehrdeutigen Formen und Verhaltensweisen der beiden Hauptgötter Shiva und Vishnu und die Darstellung einer liebeähnlichen Beziehung zwischen Krishna und Arjuna. So ist zum Beispiel bekannt, dass Vishnu eine weibliche Form als Mohini angenommen hatte, um mit Shiva eine Verbindung eingehen zu können. Als der wohl erotischste gleichgeschlechtliche Akt gilt die Zeugung von Kartikeya. Ihre Zeugung wurde für notwendig gehalten, da Shiva und seine Gattin Parvati kinderlos geblieben waren. Shiva war erst durch die Verbindung mit dem männlichen Feuergott Agni zur Zeugung eines Nachkommens fähig, als dieser den Samen Shivas aufnahm. Dass auch Krishna und Arjuna sich sehr zugeneigt waren, ist allenthalben bekannt. In einer Legende verwandelte sich Arjuna in eine Frau, um das "Geheimnis der Geheimnisse" mit Krishna teilen zu können. Trotz dieser notwendigen Verwandlung blieb in der Legende eine quasi homosexuelle Erfahrung erhalten, da sich Arjuna zurück verwandelte und Krishna ihm auftrug, "mit niemandem über dieses Geheimnis zu reden."
An anderen Stellen wurde das so genannte dritte Geschlecht als notwendig für das Gleichgewicht der Welt gehalten. Hijras, wie Transsexuelle im heutigen Indien genannt werden, galten hierbei als wichtige Mittler zwischen der Macht der Götter und den Menschen. Sie standen zwar außerhalb der sozialen Ordnung, doch verfügten sie über Mächte, mit denen sie den Gang dieser Ordnung beeinflussen konnten.
Die Feststellung von Sharma, wonach es in den Schriften wenig Beweise dafür gibt, dass Homosexualität weit verbreitet war, kann also auch dahingehend interpretiert werden, dass es im alten und mittelalterlichen Indien nicht thematisiert und kaum als "Problem" angesehen wurde. Strafen wurden, wie im Arthashastra, auch bei ungemäßem sexuellem Verkehr mit Tieren, Jungfrauen, Frauen im Wasser und menstruierenden Frauen verhängt. Manchmal fielen die Strafen bei gleichgeschlechtlichem Verkehr (Vanita) geringer aus. Dalits (so genannte Unberührbare) waren z.B. von diesen Strafen "automatisch" ausgenommen, da sie doch möglicherweise ihre Kastenzugehörigkeit gerade durch ungemäßes sexuelles Verhalten, wie Analverkehr, im vorherigen Leben verloren hatten.
Die Idee eines selbst bestimmten autonomen homosexuellen Lebens, das für alle gesellschaftlichen Klassen und Kasten gleichermaßen gilt, ist hingegen eine Erfindung der westlichen Moderne. Sie hat sich bislang im Hinduismus nicht entwickeln können. Stattdessen müssen junge Hindus vor allem ihren familiären Pflichten nachkommen, um das Weiterbestehen ihrer Familie zu sichern. Homosexualität wird somit auch als eine Gefahr verstanden, die diese traditionelle soziale und politische Ordnung aufweicht. Auch wenn viele Homosexuelle in dieser Ordnung gefangen bleiben, gibt es in der Religion, im Einzelfall die Möglichkeit, diesen Pflichten zu entgehen, und somit das Potential zu einer progressiven Interpretation. Die religiösen Feste, die vielen der genannten Legenden zugrunde liegen, dienen in diesem Zusammenhang auch dem Ausleben von sexuellen Praktiken.
Wie auch immer, das Wechselverhältnis zwischen Religion und Homosexualität gestaltet sich in Indien in einer äußerst spannenden und widersprüchlichen Weise. Eine Unterdrückung von sexuellen Minderheiten lässt sich durch religiöse Argumente nicht begründen. Einfache Antworten, so wie der indische Staat sie bei der Verhaftung von vier AIDS-Aktivisten im Sommer 2001 gegeben hatte, konnten die Religionen in Indien somit nicht gelten lassen. Vielmehr wurde deutlich, dass die eigentlichen Fragen, die die hindunationalistische Regierung aufwarf, nicht bestimmte sexuelle Praktiken betrafen, sondern sich vor allem gegen die Ideen von Gleichheit und Individualität richteten.
Quellen: aus einer überarbeitete Version des Erstabdrucks von amnesty international, MeRSI: Weltreligionen und gleichgeschlechtliche Liebe, Berlin: 2002 und anderen Texten aus dem Internet.
Samstag, 10. Februar 2007
von Andreas Ismail Mohr
Wenn man einen traditionellen Islamgelehrten fragt, was der Koran und somit auch der Islam zur Homosexualität sagt, dann wird er mit Sicherheit antworten, der Islam lehne gleichgeschlechtlichen Sex als Sünde und Vergehen aufs Schärfste ab, da der Koran in der Geschichte vom Volk Lots eindeutig gegen Homosexualität Stellung nehme. Diese Ansicht kann man so oder ähnlich überall im traditionellen und modernen islamischen Schrifttum finden. Doch was sagt der Koran, der im Glauben der Muslime die Offenbarung Gottes an den Propheten Muhammad ist, wirklich?
Die Geschichte von Lot (arabisch: Lut) und seinem Volk, die der biblischen Sodom-Erzählung entspricht, wird im Koran (Entstehung ca. 610-632 n.Chr.) in mehreren leicht unterschiedlichen Varianten erzählt (die wichtigsten Stellen sind Sure 7: Verse 80-84; 11:77-83; 15:58-77; 26:160-175; 27:54-58; 29:28-35; 54:33-39). In einigen der betreffenden Koranpassagen wirft Lot, der Gottesgesandter und Warner ist, den Männern seines Volkes (also den Leuten von Sodom) unter anderem vor, die eigenen Ehegattinnen zu vernachlässigen und sich Männern begehrlich zu nähern – ein Vergehen, das keiner in der Welt zuvor begangen habe. Die Ausleger sagen, bei dieser Sünde handle es sich um Sex zwischen Männern und die Leute von Sodom seien die ersten gewesen, die sich diese Perversion einfallen ließen. Die Korankommentatoren erblicken in der Lot-Geschichte des Korans den Beleg dafür, dass Homosexualität, genauer: Geschlechtsverkehr zwischen Männern, sündhaft sei und den Zorn Gottes auf sich ziehe.
Bei dieser Deutung ergeben sich aus heutiger Sicht jedoch mehrere Probleme. Zum einen spricht der Korantext nicht explizit von Sex und schon gar nicht von Homosexualität, Knabenliebe oder gar Analverkehr (diese Begriffe kommen im Koran nicht vor), Sex wird höchstens angedeutet: Die arabische Wendung »zu jemandem im Gelüst kommen« kann, muss aber nicht unbedingt sexuelle Bedeutung haben. Es ist zu beachten, dass die Anspielung auf homosexuelles Begehren und Tun Lot als rhetorische Frage und Vorwurf gegenüber den Männern des Volkes, das zu warnen er bestimmt ist, in den Mund gelegt wird. Zweitens handelt es sich um Männer, die verheiratet sind – die Ehefrauen werden ja ausdrücklich erwähnt. Und drittens tun sie anscheinend etwas ganz neues, »was keiner in der Welt je zuvor getan hat« (Sure 7:80; 29:2Cool. Dies passt ganz und gar nicht zu dem, was wir heute über Homosexualität wissen und was wir unter Lesbisch- oder Schwulsein verstehen. Der gewöhnliche moderne Schwule ist nicht mit einer Frau verheiratet und außerdem weiß er, dass es Homosexualität immer und überall in der Menschheit gegeben hat, und zwar in sehr unterschiedlichen Formen (und wer es nicht weiß, sollte einmal in der Encyclopedia of Homosexuality schmökern. Man muss also die Frage stellen, was das Vergehen der Leute von Sodom eigentlich war?
Außerdem muss man folgendes wissen: Im Koran werden legendarische und mythische Geschichten (teils mit biblischem Hintergrund wie in diesem Falle) erzählt, in einer Mischung aus Reimdichtung und Prosa vorgetragen (Qur’an = »Vortrag, Rezitation«), um bestimmte geistige Wahrheiten zu vermitteln – und immer geht es in erster Linie um Glauben und Unglauben. Die koranischen Erzählungen werden zudem ausdrücklich als »Geschichten« bezeichnet (siehe etwa 12:3) und als solche muss man sie verstehen, nicht als »historische« Berichte, und – im Falle der Lotgeschichte – keinesfalls als geschichtliche oder moraltheologische Abhandlung über Homosexuelle. Die Texte, die den Anspruch erheben, Offenbarung Gottes zu sein, wollen gelesen und bedacht werden. Moderne Menschen werden sie anders lesen und andere Aspekte darin erblicken als die Alten es getan haben. Der Koran, so einige neuere Kommentatoren, spricht jeden Menschen direkt an, fordert ihn zum selbständigen Nachdenken auf; der heilige Text will nicht nur durch die Brille der Auslegung der mittelalterlichen oder modernen Gelehrten wahrgenommen werden. Dass letztere ein Auslegungsmonopol beanspruchen, steht auf einem ganz anderen Blatt, ist jedenfalls nicht koranisch begründbar.
Ein weiterer Aspekt, der unbedingt beachtet werden sollte, ist der, dass einige der Lot-Geschichten des Korans nahe legen, dass das eigentliche Vergehen der Sodomiter die angestrebte Vergewaltigung der Engel war, die als Gesandte (in Gestalt von jungen Männern, wie die Koransleger berichten) zu Lot kamen (besonders Sure 11:78f; 15:68-71; 54:37). Hierzu vergleiche man den Bericht im ersten Buch Moses (Genesis, Kapitel 19:4-9). Es geht somit um übergriffe und Vergewaltigung, um Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Verletzung des Gastrechts. Die Lot-Geschichte hat jedoch nichts mit Liebe, Beziehung, Freundschaft zu tun. Aus der Erzählung kann daher nicht auf die Verurteilung homosexuell liebender Männer – und offensichtlich erst recht nicht auf Frauen – geschlossen werden.
Es gibt noch eine Stelle im Koran (Sure 4:15-16), die lautet: »Wenn eine von euren Frauen eine Schandbarkeit begeht, so nehmt vier von euch zu Zeugen gegen sie, und so sie es bezeugen, so schließt sie ein in die Häuser, bis der Tod ihnen naht oder Gott ihnen einen Ausweg verschafft. Und diejenigen, die es von euch begehen, straft beide. So sie aber bereuen und sich bessern, so lasst ab von ihnen, denn Gott ist vergebend und barmherzig.« Diese Koranstelle wurde von den klassischen Auslegern fast immer auf Unzucht oder Ehebruch bezogen. Lediglich eine Minderheit wollte darin eine Strafvorschrift sehen, die im ersten Teil Sex zwischen Frauen und im zweiten Teil Sex zwischen Männern betrifft. Allerdings wird gerade diese Meinung zunehmend von neueren Korankommentatoren vertreten (u.a. auch von dem Koranübersetzer Rudi Paret). Die Koranstelle wäre somit nach dieser Deutung einer Minderheit der Ausleger eine gegen gleichgeschlechtlichen Sex gerichtete Strafvorschrift. Der Text ist aber, wie so oft im Koran, alles andere als eindeutig oder gar explizit.
Der Koran ist die wichtigste Quelle des Islams. Er gilt, wie schon gesagt, als direkte Offenbarung Gottes an den Propheten Muhammad. Die zweite wichtige Quelle – weitaus umfangreicher als der Koran – ist die Sunna, der „Brauch“ des Propheten, wie er in Form vieler Tausender von Überlieferungsberichten (Hadith) in umfangreichen Werken (meist 9. Jahrhundert n.Chr.) gesammelt wurde. Eine Anzahl solcher nachkoranischen Überlieferungen legt dem Propheten Muhammad Worte in den Mund, denen zufolge er jene verdammt »die das tun, was das Volk Lots getan hat«, ja sogar zur Tötung und Steinigung der »Sodomiter« (lutis) auffordert. Auffälligerweise fehlen diese Aussprüche jedoch in den beiden bedeutendsten Hadith-Werken, Sahih al-Buchari und Sahih Muslim, und große Gelehrte des Islam haben diese Überlieferungen als unsicher oder gar unecht verworfen.
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