Samstag, 10. Februar 2007
Die für ihn schlimmste Geschlechtskrankheit hatte Rolf Erdorf im Sommer 1983 überstanden: Hepatitis B. Nun hörte er von einer neuen "Seuche", einem merkwürdigen Hautkrebs, den früher nur Männer im hohen Alter bekamen, der nun aber auch unter jungen Schwulen grassierte.
Die Leute, so dachte er sich, brauchten offenbar eine neue "Geißel", da man sich gegen Hepatitis B impfen lassen konnte. Erdorf wollte von dem Hautkrebs mit Namen Kaposi-Sarkom nichts wissen. Er war ja kein typischer Szenegänger, hatte aber in West-Berlin auch keinen festen Freund gefunden. Seit 1980 lebte er in der geteilten Stadt, die ihm fremd blieb. Seine Ferien verbrachte er darum stets bei Bekannten in Amsterdam. Dort war der Siebenundzwanzigjährige auch im November 1983, als er eines Morgens mit einer unangenehmen Angina aufwachte. Er hatte hohes Fieber, Schwellungen am Hals und einen scheußlichen Geschmack im Mund. Tagelang konnte er nichts essen. Nachdem das Fieber endlich abgeklungen war, erinnerte nur noch ein dicker Lymphknoten unter dem rechten Ohr an die Angina. Wochen später wurden ihm deswegen die Mandeln entfernt, doch der Knoten wurde nicht kleiner. Sein Blutbild war unauffällig, die Ärzte waren ratlos. Im Frühjahr 1984 empfahl ihm ein Freund, der im Berliner Robert-Koch-Institut arbeitete, den gerade entwickelten HTLV-III-Bluttest zu machen. Man fand tatsächlich das "Humane T-Lymphozyten-Virus Typ III", das später in "Humanes Immundefizienz-Virus" (HIV) umbenannt wurde. Rolf Erdorf war "positiv". Was genau das bedeutete, wußte er 1984 nicht. Er glaubte nur zu wissen, daß der größte Teil seines Lebens schon hinter ihm lag.
Heike K. hatte 1991 ihr erstes Semester an der Universität beendet. Nun suchte die Zwanzigjährige zusammen mit ihrer Freundin Claudia nach einem Ferienjob. McDonald's wollte beide einstellen, allerdings sollten sie zuvor noch ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Im Gesundheitsamt entdeckten die Studentinnen ein Plakat, das für einen Aids-Test warb. Nach einer Woche lagen die Ergebnisse vor. "Als die Ärztin uns nicht zusammen im Sprechzimmer empfangen wollte, wußten wir, daß etwas nicht stimmt", erzählt Heike Klaas. An das Gespräch mit der Ärztin kann sich Heike Klaas nicht mehr erinnern, nur daran, daß die Medizinerin "total überfordert" gewesen sei. Lange konnte sie das Virus noch nicht haben. Woher es stammt, ist bis heute unklar. Sie hatte nie Drogen gespritzt, und ihr Freund, ein Amerikaner, war "negativ". Später vermuteten Mediziner, die junge Frau habe sich im Urlaub bei einem Arzt in Florida angesteckt, der sie wegen einer Streptokokken-Infektion behandelt hatte. Seine Untersuchungsmethoden, sagt Heike Klaas, seien fies und blutig gewesen. Nicht weniger fies behandelt fühlte sie sich in den kommenden Wochen. "In einer bayerischen Kleinstadt zu erfahren, daß man sich mit HIV angesteckt hat, war schrecklich." Die Beratungsstelle habe nicht einmal ein Schild an der Tür gehabt. Andere Betroffene gab es anscheinend nicht. Sie fühlte sich allein gelassen, vertraute sich aber auch niemandem an. Sie habe einfach weiterstudiert, obwohl sie nicht angenommen habe, das Ende ihres Studiums zu erleben. Ein Arzt hatte ihr versichert, daß sie noch acht Jahre zu leben habe.
Ein Paar waren Paul S. und Martin K. schon seit 1989 gewesen. Zwar lebten sie in keiner "offenen Beziehung" zusammen, doch ging Martin Klemm alle halbe Jahre einmal fremd. Meist in Amerika, wo er beruflich zu tun hatte. Daß er sich dabei irgendwann das HI-Virus eingehandelt hatte, wußte er selbst zunächst nicht. Er verschwieg es aber auch dann noch, als sich an seinem Bein schon ein deutlicher Kaposi-Fleck zeigte. Im Herbst 1994 ließ sich Paul Sander testen. Danach sei ihm keine Zeit mehr geblieben, auf seinen Freund wütend zu sein. "Martin brauchte meine Hilfe." Klemms Immunsystem war damals schon so stark beeinträchtigt, daß sich weitere Krankheiten entwickeln konnten. Er wurde hochdosiert mit dem antiviralen Medikament AZT (Retrovir) behandelt, das die Zahl körpereigener Abwehrzellen - vorübergehend - wieder steigen ließ. AZT war in den achtziger Jahren als Mittel gegen Krebs entwickelt worden, 1987 wurde es das erste Medikament gegen Aids. Die Nebenwirkungen waren verheerend: Martin Klemm litt unter dauerhaftem Brechdurchfall sowie einer Nervenschädigung in den Beinen (Neuropathie). Zudem benötigte er wegen einer Anämie Blutkonserven. Im Juni 1996 starb Klemm an Krebs. Die durch das HI-Virus bedingten Tumore hatten sich so rasch ausgebreitet, daß weder eine Chemotherapie noch die Mitte der neunziger Jahre entwickelte Kombinationstherapie ihn mehr retten konnte. Paul Sander hingegen profitierte bereits von der zweiten Medikamenten-Generation, den Proteasehemmern, die verhindern, daß sich das HI-Virus in den Helferzellen (auch CD4-Zellen oder T4-Zellen) des Körpers vermehren kann. Nach dem schnellen Tod seines Freundes hatte Sander aber nur wenig Hoffnung. Eine junge Ärztin tröstete ihn damals mit den Worten: "Sie müssen sich überhaupt keine Sorgen machen, zwei Jahre haben Sie ja noch."
Rolf E., Heike K. und Paul S. leben seit Jahren mit dem HI-Virus. Es hat ihre Körper unterschiedlich befallen und geschwächt. Erdorf, der zu den ersten in Deutschland gehörte, die "positiv" getestet wurden, schluckt seit 1993 täglich Dutzende von Pillen in verschiedenen Kombinationen. Sie töten seine Geschmacksnerven ab und verderben ihm jede Mahlzeit. Er leidet unter Durchfall und Neuropathien, seine Blutfett-, Leber- und Harnsäurewerte sind durch sie gestiegen, sein Körper ist früh vergreist. Sein Immunsystem hat sich aber stabilisiert. Zur Zeit kann er wieder mehr als 600 Helferzellen pro Mikroliter Blut vorweisen. Ein durchaus gesunder Wert, normal sind 600 bis 1500 Helferzellen. Heike Klaas hatte im vergangenen Jahr nur noch 250, jetzt sind es wieder 400 Helferzellen. Der kritische Wert liegt bei 200: Nimmt die Zahl der Helferzellen dann noch weiter ab, sprechen Mediziner vom "Vollbild Aids". Dann erst treten die sogenannten aidsdefinierenden Krankheiten auf: Krebsarten wie das Kaposi-Sarkom oder eine Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PcP), eine Form der Lungenentzündung. Wie stark sich das HI-Virus vermehrt und dadurch das Immunsystem schädigt, wird auch durch Messung der Viruslast überprüft: Je höher die Zahl der Viren pro Milliliter Blut ist, desto schneller wird das Immunsystem zerstört. Ein Immundefekt liegt bei Heike Klaas noch nicht vor, sie hat bisher keine Medikamente nehmen müssen. Paul Sander, der sich 1994 infizierte, hat bereits eine ausgeprägte Immunschwäche, er gilt als "austherapiert". Sein Virus ist weitestgehend resistent, die Proteasehemmer allein könnten den Achtunddreißigjährigen wohl nicht mehr retten. Seit Anfang des Jahres bekommt er darum zusätzlich das bisher in Deutschland noch nicht zugelassene Medikament Fuzeon (T20), das mit seinem neuen Wirkprinzip die dritte Generation von Aidspräparaten einläuten wird.
Paul Sander glaubt zwar, daß er sich ein besonders aggressives Virus eingehandelt hat. Dramatischer ist aber bei Infektionen in jüngerer Zeit: Es gibt im Grunde kein HI-Virus mehr, das nicht schon therapiert worden wäre. So kann es passieren, daß Neuinfizierte, die noch nie ein Aidspräparat eingenommen haben, trotzdem gegen alle gängigen Mittel resistent sind. Sie sind austherapiert, bevor sie eine Therapie angefangen haben. Das Immunsystem ist nach wenigen Jahren am Ende. Sander hatte seinen Tiefpunkt im vergangenen Winter. Gerade mal 30 Helferzellen waren noch übrig. Zwischenzeitlich mußte er mit einer fünffachen Kombination von Medikamenten zurechtkommen, das waren 30 Tabletten am Tag. Die Nebenwirkungen beeinträchtigten ihn erheblich. Seinen Beruf, Betriebswirt, mußte er aufgeben. Der Achtunddreißigjährige hat sich selbständig gemacht und lebt noch immer in München. Das Grab seines Langzeitfreundes Martin hat er nie besucht. Mehrfach ließ er sich auf neue Beziehungen ein, keine war von langer Dauer. Paul Sander sieht man nicht an, daß er schwer an Aids erkrankt ist. Seit Anfang Januar spritzt er zweimal täglich Fuzeon, schluckt zusätzlich noch immer 23 Tabletten. Die Zahl seiner Helferzellen hat sich mittlerweile wieder auf 60 verdoppelt.
Heike Klaas hat ihr Studium beendet. Sie ist verheiratet, lebt in Berlin und arbeitet freiberuflich für einen Verlag. Die Zweiunddreißigjährige achtet auf ihre Gesundheit: Sie trinkt keinen Alkohol, raucht keine Zigaretten, schläft viel und ißt nur bestimmte Lebensmittel. Ihren späteren Ehemann hatte sie im dritten Semester kennengelernt. Walter Spehr war der einzige, dem sie schon nach fünf Tagen ihr Geheimnis anvertraute. "Er zögerte nur einen Moment", sagt Heike Klaas. Sie hingegen ist sich nicht sicher, ob sie mit einem HIV-Infizierten eine Beziehung einginge. Jahrelang hatte sie Angst, die Wahrheit über ihre Krankheit könnte herauskommen. So zahlte sie alle Arztrechnungen aus der eigenen Tasche, weil sie über ihren Vater krankenversichert war. Erst nach sieben Jahren entschloß sie sich, mit ihren Eltern zu reden. Heike und Walter Spehr wünschen sich ein Kind. Bei spezieller medizinischer Behandlung kann in mehr als 98 Prozent der Fälle eine HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind vermieden werden.
Während Heike Klaas und Paul Sander anonym bleiben wollen (ihre Namen wurden geändert), war Rolf Erdorf schon 1985 bereit, sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen, auf Plakaten, in Büchern und im Fernsehen. "Die Menschen sollten sehen, daß die Krankheit Aids monströs ist, nicht aber die Menschen, die von ihr getroffen oder bedroht sind." Nachdem der Film "Die Angst reißt tiefe Gräben auf" ausgestrahlt worden war, verfaßten seine damaligen Kollegen einen Brief, in dem sie schrieben, er sei eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Sein Chef hielt demonstrativ zu ihm. Rolf Erdorf arbeitet heute freiberuflich. Er übersetzt Bücher aus dem Niederländischen. Der Siebenundvierzigjährige ist sich sicher, daß er das erste Jahrzehnt mit dem Virus nur überlebt hat, weil er jede ärztliche Hilfe ablehnte. "Viele meiner damals so hochdosierten Leidensgenossen hätten wahrscheinlich ohne AZT länger gelebt." Und wären vielleicht auch noch in den Genuß der Kombinationstherapie gekommen. Irgendwann ging es aber auch mit Erdorf gesundheitlich bergab. 1994 erlebte er seinen Tiefpunkt: Es ließen sich keine Helferzellen mehr in seinem Blut nachweisen. Rolf Erdorf erkrankte an PcP, sein Körper verfiel zusehends. In letzter Sekunde ließ sich der Therapieverweigerer bekehren. Und wieder war er bereit, sein Gesicht zu zeigen, dieses Mal, um für die einstmals verhaßten Medikamente zu werben.
Heute läßt er sich nur noch ungern fotografieren. Er verabscheut seinen Körper, der durch die von Aidskranken so gefürchtete Fettumverteilung (Lipodystrophie) stark verändert wurde - auch eine Nebenwirkung der Aidspräparate. Rumpf und Nacken sind dicker, Arme, Beine und das Gesicht sind dünn geworden. "Wenn ich aus der Dusche steige, sehe ich ein Faß auf Streichhölzern." Trotzdem ist Rolf Erdorf dankbar, daß er von den Toten auferstehen durfte. Dadurch sei er unfreiwillig zur "Avantgarde" geworden. Eins allerdings macht ihm wieder zu schaffen: die vermeintlich ausgeheilte Hepatitis B. Offenbar kehren längst vergessene Krankheiten zurück, wenn das Immunsystem einmal ganz am Boden war.
Text: von Peter-Philipp Schmitt, pps., Frankfurter Allgemeine Zeitung
Samstag, 10. Februar 2007
Aids steht für die englische Bezeichnung "Acquired Immune Deficiency Syndrome", zu deutsch "Erworbener Immundefekt". Bei einem Immundefekt ist die Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber Krankheitserregern vermindert.
Ursache für Aids ist die Infektion mit HIV, dem "Human Immunodeficiency Virus" ("menschliches Immundefekt-Virus"). 1983/84 wurde HIV-1 entdeckt, wenig später HIV-2. Beide Virustypen und ihre Untergruppen (Subtypen) weisen spezielle Merkmale auf und kommen je nach Kontinent unterschiedlich häufig vor. Für alle gelten aber die gleichen Schutzmöglichkeiten.
Die Wissenschaft teilt die HIV-Infektion in verschiedene Stadien ein. Weil aber jede Infektion unterschiedlich verläuft und zugleich starken Schwankungen unterliegt, gibt es keine starre Abfolge. Mit Aids wird das Stadium bezeichnet, bei dem das Immunsystem stark beeinträchtigt ist und sich bestimmte lebensbedrohliche Infektionskrankheiten und Tumoren entwickeln können.
Zwar ist die HIV-Infektion noch nicht heilbar, aber dank medizinischer Therapien bestehen gute Chancen, dass sich eine Immunschwäche zurückbildet oder um viele Jahre hinauszögern lässt. Zumindest in den reichen Ländern der Welt hat der medizinische Fortschritt bei Menschen mit HIV zu einer deutlich höheren Lebenserwartung und Lebensqualität geführt.
Aids ist aber nach wie vor eine lebensbedrohliche Krankheit, die immer wieder auch für unbegründete Ängste, für Diskriminierung und Ausgrenzung steht. Deshalb gilt es, zu informieren, aufzuklären, Vorurteile abzubauen, Zuwendung und Hilfsbereitschaft zu fördern.
Quelle: Auszug aus unserer Broschüre "HIV/Aids. Heutiger Wissensstand" (29., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)
Samstag, 10. Februar 2007
5. Safer Sex leicht gemacht
Küssen
Küssen ist - abgesehen von Zungenverknotungen, Problemen beim Loslassen und Atemnot bei Schnupfen - vollkommen safe und stets empfehlenswert, solange kein Herpes vorliegt. Ein Risiko für eine HIV-Infektion besteht erst beim (weltrekordverdächtigen) Austausch von acht bis zwölf Litern Speichel. Auch ein bisschen Zahnfleischbluten ist kein Grund für Kussabstinenz.
Lecken ("Cunnilingus")
Da läuft frau doch das Wasser im Munde zusammen! Für die Geleckte besteht, was HIV angeht, kein Infektionsrisiko, weil der Speichel zu wenig HIV enthält. Vorsicht aber bei einem Herpes am Mund: Er kann leicht auf andere Regionen übertragen werden. Die Leckende sollte neben Herpes, Pilzen und anderen sexuell übertragbaren "Gewächsen" auch auf HIV achten. Das Risiko, sich über die Genialflüssigkeiten mit HIV anzustecken, ist sehr gering. Es steigt aber deutlich an, wenn die Partnerin ihre Menstruation hat. Hier schützen Dental Dams oder aufgeschnittene Kondome mit einer gehörigen Portion Gleitgel.
Arschlecken ("Anilingus", "Rimming")
Wer Rosettenforschung mit der Zunge betreibt, braucht sich wegen HIV keine Gedanken machen. Doch die Hepatitis A und B kann euch hier den Appetit verderben. Schutzmöglichkeiten: Dental Dams, aufgeschnittene Kondome, Gleitgel.
Fingerfick vaginal/anal
Wenn ein oder mehrere Finger sich mehr oder weniger rhythmisch durch diverse Körperhöhlen tasten, ist dies bei intakter Haut vollkommen safe. Aber was ist, wenn frau sich an der Ravioli-Dose geschnitten hat, wenn sie Nägel kaut, Ekzeme an den Händen hat oder ihre Haut nach dem Spülen des WG-Geschirrs der letzten Wochen völlig aufgeweicht ist? Nun, selbst dann ist ein Fingerfick immer noch risikoarm. Das gilt auch für stundenlange Fingerübungen. Für die Vertreterinnen hundertprozentiger Sicherheit, vor allem aber während der Menstruation empfehlen sich Latex-Fingerlinge oder, noch besser, Latexhandschuhe. Auch Gleitgel ist nie von Schaden, solange es nicht den Reizstoff Nonoxynol-9 enthält. Nonoxynol-9 soll zwar HIV abtöten, ist aber ohne zusätzliche Latexbarrieren nicht wirksam genug und mit Latexbarrieren vollkommen überflüssig. Außerdem führt es bei vielen Frauen zu Reizungen der Scheidenschleimhaut.
Faustfick ("Fisting") vaginal/anal
"Und sie passt doch!" sagte schon Galilea G. und sie hat Recht. Oberstes Gebot sind kurz geschnittene und sorgfältig gefeilte Fingernägel sowie behutsames Einführen der Hand. Denn in der Vagina oder im Anus kann es sehr leicht zu Verletzungen kommen. In solch einem Fall besteht auch für die aktive Partnerin ein Risiko, wenn die Haut ihrer Hand nicht intakt ist: Durch das längere Verweilen der Hand im feuchten Milieu von Vagina oder Anus können Wunden oder Ekzeme leicht aufweichen und so als Eintrittspforte für HIV dienen. Latexhandschuhe (oder besser gesagt: Latexfäustlinge) und viel Gleitgel sind also stets wünschenswert, auch, weil es einfach besser "flutscht". Ganz wichtig: Nach allen Fingerspielen erst die Hände waschen oder Latexhandschuhe abstreifen, bevor frau bei sich selbst oder anderen handgreiflich wird.
Gruppensex
Denkt frau in trauter Zweisamkeit noch safe, so vergisst sie die Regeln im "Rudel" oft. Also: Hände, Dildos oder andere Toys nie direkt von einer zur anderen wandern lassen (egal ob zu zweit oder in der Gruppe). Beste Voraussetzungen für "Safer Gruppensex" sind ein breites Bett und daneben eine große Schachtel Utensilien (Fingerlinge, Handschuhe, Kondome, Gleitgel, Dental Dams).
Möse an Möse reiben ("Tribadismus")
...eine Klassikerin unter den Lesben. Leider nicht besonders safe, was HIV und andere STDs angeht. Zum HIV-Übertragungsrisiko gibt's in der Forschung allerdings unterschiedliche Meinungen. Glücklich, die auf Gummi stehen, denn einen hundertprozentigen Schutz bietet nur ein Gummihöschen.
Sex-Toys
Ob Zucchini oder Dildo: alles was lang genug ist, um den Muttermund (Zerwichs) zu erreichen, ist mit Vorsicht zu genießen, wenn's vorher schon in einer Partnerin drin war. Denn das Zerwichssekret infizierter Frauen kann HIV in einer Konzentration enthalten, die für eine Ansteckung möglicherweise ausreicht. Außerdem lauern noch andere STDs. Deshalb nur eigenes Spielzeug, und zwar nur bei sich selbst benutzen, also nicht im direkten Wechsel von Möse zu Möse oder Arsch zu Arsch oder Arsch zu Möse (letzteres auch nicht bei derselben Frau). Und wenn doch, dann stets mit einem neuem Kondom.
Natursekt und Kaviar (Urin und Kot)
Natursekt und Kaviar stehen zwar nicht auf allen Speisekarten, doch auch in ausgewählten Restaurants ist stets vor Hepatitis A (in Kot) und Hepatitis B (in Kot und Urin) zu warnen. Risikolos wird das ganze Vergnügen, wenn frau vom Verzehr absieht und sich stattdessen lieber mal ans Bein pinkeln lässt. Was HIV angeht, besteht keine Ansteckungsgefahr.
Schlagen, Peitschen
Solange dabei kein Blut fließt, birgt der Schlagabtausch auch keine Ansteckungsrisiken. Falls die Haut doch einmal platzt, sollte das Spiel beendet, die Wunde versorgt und das Schlagwerkzeug gesäubert werden.
Heiße Spielchen
Obwohl es beim Sex meist schon heiß genug hergeht, kann die Temperatur durch Hilfsmittel beliebig in die Höhe getrieben werden. Kerzen z.B. sind nicht nur als romantische Lichtquellen zu nutzen. Heißes Wachs durchblutet die Haut und belebt die Sinne, solange es nicht zu Verbrennungen kommt. Daher Vorsicht bei Bienenwachs (zu hohe Schmelztemperatur), parfümierten oder eingefärbten Kerzen! Einfache weiße Haushaltskerzen sind die besten. Vorher an sich selbst testen.
Duschen, Einläufe, Katheter
Die pflichtbewusste sexaminierte Krankenschwester sollte stets auf saubere und intakte Instrumente achten und/oder diese nur für eine Patientin benutzen. Vaginalduschen und Einläufe sollten nicht allzu häufig vorgenommen werden, da sie sonst zum Eintrocknen der Schleimhäute führen.
Play-Piercing, Schneiden
Hier kann es zu einschneidenden Erlebnissen kommen, und daher gilt: Messer, Schere, Gabel nicht ohne Latexhandschuhe! Außerdem müssen die Werkzeuge steril sein, d.h. vor und nach Gebrauch desinfizieren oder Einwegmaterial verwenden. Zusätzlich muss vorher die Haut (natürlich nur die Zielregion) desinfiziert, hinterher die Wunde behandelt werden.
Impressum: Auszug aus der Broschüre "Wer lutscht schon gern ein Dental Dam? Informationen für Frauen, die Sex mit Frauen haben", hrsg. von der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. 4. Auflage. Berlin 2000
Quelle: www.aidshilfe.de
Samstag, 10. Februar 2007
4. Eintrittspforten für HiV
Haut
HIV kann nicht die intakte (unversehrte, heile) Haut durchdringen. Selbst bei kleinen, frischen Wunden oder Schnitten ist es unwahrscheinlich, dass HIV über sie in den Körper gelangt. Weil das Blut aus Wunden herausfließt, können infektiöse Körperflüssigkeiten nicht in sie einfließen. Bei starken Beschädigungen der Haut (z.B. durch Hauterkrankungen) ist eine Ansteckung mit HIV nicht völlig auszuschließen, wenn es zu einem Kontakt mit stark infektiösen Körperflüssigkeiten kommt...
Die intakte Mundschleimhaut bietet einen guten Schutz gegen HIV. Das Gewebe im Mund ist ziemlich robust. Vermutet wird auch, dass der Speichel eine Schutzwirkung hat. Kleinere Verletzungen im Mund sind kein Grund zur Panik. Zahnfleischbluten, z.B. nach dem Zähneputzen, ist in wenigen Minuten wieder vorbei. Außerdem bildet die Mundschleimhaut ständig neue "Schutzschichten". Für HIV ist es somit sehr schwer, über die Mundschleimhaut in den Körper einzudringen. Spürbare Entzündungen von Zahnfleisch und Rachen, Geschwüre und offene Wunden im Mundraum und an den Lippen (z.B. als Folge einer Geschlechtskrankheit) können jedoch eine Eintrittspforte für HIV sein.
Scheide und Gebärmutterhals
Inwieweit HIV über Scheide und Gebärmutterhals in den Körper eindringen kann, wird unterschiedlich bewertet. Einige Wissenschaftler/innen nehmen an, dass HIV selbst über die unverletzte Scheidenwand in die Blutbahn gelangen kann. Andere gehen davon aus, dass eine intakte Scheide und ein unverletzter Gebärmutterhals einen gewissen Schutz gegen HIV bieten.
Die Scheidenwand an sich ist sehr dick, robust und elastisch, um ihrer Funktion als Geburtskanal gerecht zu werden. Die Schleimhäute des Muttermundes (befindet sich am Gebärmutterhals) sind jedoch sehr empfindlich und leicht zu verletzen. Verletzungen ermöglichen HIV den Zugang zur Blutbahn.
Verletzungen an Scheide und Muttermund können verschiedene Ursachen haben: mangelnde Feuchtigkeit , Geburt, "rauer" Sex (z.B. mit den Fingern oder mit Dildos), Entjungferung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Beschneidung, sexuell übertragbare Krankheiten. Es gibt noch andere Ursachen für Veränderungen in Scheide und Gebärmutterhals, die dem Virus das Eindringen in die Blutbahn erleichtern, z.B. hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren und in der Schwangerschaft oder die durch Schwangerschaft veränderte Lage des Gebärmutterhalses. Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Gebärmutterhals durch die Einnahme der Pille empfindlicher wird und durch die Spirale verletzt werden kann. Ob diese Verhütungsmittel das Risiko einer Ansteckung mit HIV erhöhen, ist noch nicht bewiesen.
Anus (After)
Die Darmschleimhaut ist sehr empfindlich und leicht verletzbar. Hämorrhoiden, Warzen, Herpes oder auch Risse können die Verletzungsgefahr noch erhöhen. Verletzungen erleichtern HIV das Eindringen in den Körper. Außerdem befinden sich an der Oberfläche der rektalen (zum Enddarm gehörenden) Schleimhaut Langerhans-Zellen, die das Virus als Eintrittspforten nutzt.
Andere sexuell übertragbare Krankheiten
Neben der HIV-Infektion gibt es noch weitere sexuell übertragbare Krankheiten. Es ist ratsam, sich vor ihnen zu schützen, da viele schwer wiegende Folgeschäden haben können. Noch dazu sind alle der nachfolgend beschriebenen STDs von Frau zu Frau viel leichter übertragbar als HIV.
Die Krankheitszeichen vieler STDs ähneln sich. STDs können außerdem als Mischinfektionen auftreten. Bei Symptomen, z.B. ungewöhnlichem Ausfluss, sollte in jedem Fall eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Frühzeitig erkannt, lassen sich STDs in der Regel recht gut behandeln. Liegt eine STD vor, sollten auch die Partner/innen darüber informiert werden.
Chlamydien-Infektion (bakterielle Scheideninfektion) Erreger: Chlamydia trachomatis Übertragung: durch Kontakt mit infektiöser Vaginalflüssigkeit Inkubationszeit 7 bis 12 Tage Symptome: Ausfluss, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, geringe Unterbauchschmerzen. 30 bis 50% der Frauen zeigen gar keine Beschwerden Bei Nichtbehandlung: chronische Entzündung der Eileiter; kann eventuell zu Unfruchtbarkeit führen
Gonorrhoe (Tripper) Erreger: Neisseria gonorrhoeae Übertragung: durch Vaginalflüssigkeit, die z.B. über Finger oder Sex-Toys auf die Genitalien der Partnerin gelangt. Vorsicht bei oral-analen Spielen, da auch die Schleimhaut des Rektums (Enddarm) befallen sein kann. Auch durch den Schweißfilm, der beim Sex entsteht, "schwimmen" die Bakterien leicht zu Stellen, wo sie gut gedeihen können Inkubationszeit 2 bis 4 Tage Symptome: grüngelblicher Scheidenausfluss, Jucken oder Brennen in der Harnröhre, Unbehagen vor und nach dem Stuhlgang, Durchfall oder Völlegefühl bei leerem Rektum (Enddarm). Selten tritt eine Infektion des Halses auf Bei Nichtbehandlung: schwere Schädigungen möglich, wie z.B. Herzprobleme oder Blindheit
Syphilis (Lues) Erreger: Treponema pallidum Erregernachweis: Blutuntersuchung. Erreger sind bereits wenige Stunden nach der Ansteckung nachweisbar Übertragung: durch Berühren und Reiben können sich die Bakterien in die Haut "einschrauben". Inkubationszeit: 2 bis 4 Wochen Symptome: in 90% der Fälle keine Frühsymptome Primärstadium: Nach etwa 3 Wochen entwickelt sich an der Eintrittsstelle des Erregers aus einer schnell zerfallenden Papel (Hautknötchen) ein etwa münzgroßes Geschwür; bei Frauen in der Regel in der Vagina, deshalb wird es oft übersehen. Die Lymphknoten schwellen an Sekundärstadium: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Lymphknotenschwellung. Etwa in der 9. Woche tritt ein nichtjuckender Hautausschlag auf, häufig am ganzen Körper. Danach entwickeln sich Papeln, aus denen eine hochinfektiöse Flüssigkeit austritt Tertiärstadium: Nach 3 bis 5 Jahren treten wenige, jedoch tief gehende Knoten an der Haut auf. Die Ansteckungsgefahr für andere ist gering Bei Nichtbehandlung: Herzprobleme, Hirn- und Rückenmarkschädigung, möglicherweise Tod
Herpes simplex Erreger: Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HBV Typ 1, = Herpes labialis) Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HBV Typ 2, = Herpes genitalis) Übertragung: durch Kontakt mit den hochinfektiösen Herpesläsionen (= offene Herpesbläschen). Die Virusausscheidung kann 14 bis 21 Tage anhalten. Übertragung auf Ungeborene führt bei diesen häufig zu Gehirnschäden Inkubationszeit: 2 bis 7 Tage Symptome: bei Erstinfektion nach 3 bis 9 Tagen gruppenförmig angeordnete Bläschen z.B. am Mund (Herpes labialis), an den Schamlippen, in der Vagina, an den Oberschenkeln, am After (Herpes genitalis); leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten. Bei 35 bis 60% der Fälle treten die Bläschen immer wieder auf, meist jedoch in geringerer Anzahl als bei der Erstinfektion. Die Virusausscheidung beträgt hier 3 bis 7 Tage In 30% der Fälle wird Herpes genitalis durch HSV Typ 1 verursacht. Deshalb scheint auch der umgekehrte Fall (= HSV Typ 2 wird auf den Mund übertragen) möglich (= Kreuzinfektion). Frauen, die von HSV Typ 2 betroffen sind, leider öfter an Gebärmutterkrebs als andere.
Hepatitiden
Hepatitis A Erreger: Hepatitis A-Virus Übertragung: meist fäkal-oral: Das Virus befindet sich im Stuhl, die Weitergabe erfolgt "von der Toilette über die Hand in den Mund". Inkubationszeit: etwa 2 bis 8 Wochen Symptome: akute Hepatitis: unbestimmte Beschwerden, z.B. Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber bis zu 39°C. In etwa einem Drittel der Fälle tritt eine Gelbsucht auf akutes Leberversagen: äußerst selten (in etwa 0,1% der Fälle) Krankheitsdauer: in der Regel 4 bis 6 Wochen. Die Hepatitis A verläuft nie chronisch, sondern heilt völlig aus. Danach besteht lebenslange Immunität. Gegen Hepatitis A gibt es eine Schutzimpfung.
Hepatitis B Erreger: Hepatitis B-Virus Übertragung: durch Sexualverkehr: vaginal, anal, oral (auch "Rimming", = Lecken am After); durch Blut-Blut-Kontakt (z.B. beim gemeinsamen Benutzen desselben Spritzbestecks und derselben Spritzutensilien wie Löffel, Filter, Tupfer); während der Geburt; sehr selten: Übertragung durch Speichel, z.B. beim Küssen Inkubationszeit: 4 bis 26 Wochen Symptome: akute Hepatitis ähnlich wie bei Hepatitis A, meist jedoch keine auffälligen Beschwerden. In etwa 1% der Fälle kommt es zu einem schweren Verlauf mit akutem Leberversagen Chronifizierung: Die Hepatitis B kann chronisch verlaufen: allgemein in 5 bis 10% der Fälle, bei unter der Geburt infizierten Neugeborenen in bis zu 100% der Fälle. Spätfolgen können eine chronische Leberentzündung mit Leberzirrhose sowie das Leberzellkarzinom sein. Gegen Hepatitis B gibt es eine Schutzimpfung.
Hepatitis C Erreger: Hepatitis C-Virus (verschiedene Subtypen) Übertragung: vor allem durch Blut-Blut-Kontakt (z.B. beim gemeinsamen Benutzen desselben Spritzbestecks und derselben Spritzutensilien wie Löffel, Filter, Tupfer) und Blutprodukte; durch sexuellen Kontakt, aber seltener als bei Hepatitis B; auf Neugeborene während der Geburt Inkubationszeit: zwischen 2 Wochen und einem halben Jahr Symptome: akute Hepatitis C ähnlich wie bei Hepatitis A und B, häufig ohne deutlich ausgeprägte Beschwerden Chronifizierung: 50 bis 80% der Fälle verlaufen chronisch. Davon geht ein Drittel in eine chronisch aggressive Form über, aus der sich eine Leberzirrhose mit anschließendem Leberversagen oder Leberkrebs entwickeln kann. Gegen Hepatitis C gibt es keine Schutzimpfung.
Feigwarzen Erreger: Human Papilloma Virus (HPV) Übertragung: durch sexuellen Kontakt, meist direkt von Genitalzone zu Genitalzone Inkubationszeit: ein bis mehrere Monate Symptome: weiche, rosafarbene fleischige Gebilde auf den äußeren Geschlechtsteilen, die zu schmerzhaften Vereiterungen und Entzündungen neigen Feigwarzen können möglicherweise Gebärmutterhalskrebs und Hautkrebs verursachen.
Filzläuse Wo sie sich befinden: meist im Schamhaar, zuweilen auch in Körper- und Barthaaren, Augenbrauen, Wimpern und Haupthaar Übertragung: durch Körperkontakt, vor allem beim Sex; durch gemeinsames Benutzen von Betten, Bettwäsche und Kleidung Symptome: kleine bläuliche Flecken im Genitalbereich, Juckreiz im Schritt
Krätze Erreger: Krätzemilben. Sie sind wesentlich kleiner als Läuse und bohren Gänge in der Oberhaut Übertragung: durch Hautkontakt Symptome: stecknadelkopfgroße Bläschen, in denen die Eier abgelegt wurden; unerträglicher Juckreiz an befallenen Hautpartien (auch durch abgelegten Milbenkot)
Trichomoniasis Erreger: Trichomonas vaginalis (Geißeltierchen) Übertragung: vor allem durch Kontakt mit infizierter Genitalflüssigkeit; durch gemeinsames Benutzen von Handtüchern und Waschlappen sowie Unterwäsche und Badeanzügen Symptome: gelblicher oder grün-gelblicher übel riechender Ausfluss, Anschwellen der Vulva, entzündete, rote, wunde und juckende Schamlippen, Entzündungen der Harnwege Frauen, die bereits eine Trichomoniasis hatten, sind anfälliger für eine Gonorrhoe.
Candida-Mykose (Scheideninfektion durch Pilzbefall) Erreger: Hefepilz Candida albicans (75 bis 80% der Fälle), Candida glabrata (10 bis 15% der Fälle). Kommen in jeder Vagina vor, bei Candida-Mykose steigt ihre Zahl explosionsartig an Übertragung: durch sexuelle Kontakte, z.B. über die Finger, den Mund, über gemeinsames Benutzen von Sex-Toys und Vaginalduschen, auch über den Mund (bei Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum). Die Übertragbarkeit steigt bei Behandlung mit Antibiotika und Hormonen, während der Schwangerschaft, bei Diabetes usw. Symptome: säuerlicher, hefeartiger Vaginalgeruch, weißlicher Ausfluss, Anschwellen der Vulva und Juckreiz.
Fortsetzung: 5. Safer Sex leicht gemacht
Samstag, 10. Februar 2007
3. Zur Übertragbarkeit von HiV
HIV gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Das Virus ist sehr empfindlich und außerhalb des menschlichen Körpers unter Alltagsbedingungen nicht lebensfähig.
Die Übertragbarkeit von HIV hängt unter anderem ab
>> von der Konzentration des Virus in den einzelnen Körperflüssigkeiten
>> vom Stadium der HIV-Infektion, in dem die infizierte Person ist
>> von den Pforten, durch die das Virus in den Organismus gelangt
>> vom Vorliegen anderer sexuell übertragbarer Krankheiten
HIV konnte in fast allen Körperflüssigkeiten infizierter Menschen nachgewiesen werden. In Schweiß, Nasensekret, Tränenflüssigkeit, Speichel, Urin und Kot ist die Viruskonzentration jedoch sehr gering und reicht für eine Ansteckung nicht aus. Im Speichel wurde außerdem ein Protein entdeckt, das HIV blockieren und damit unschädlich machen soll.
In Körperflüssigkeiten mit hoher Lymphozyten-Konzentration ist HIV in einer Menge enthalten, die für eine Ansteckung ausreicht. Das gilt vor allem für Blut und Sperma. In der Scheidenflüssigkeit und in Muttermilch ist die HIV-Konzentration geringer, eine Ansteckung hierüber ist aber immer noch möglich. Wie hoch das Risiko ist, sich beim Kontakt mit diesen Körperflüssigkeiten zu infizieren, hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium der HIV-Infektion die infizierte Person ist. Am höchsten ist die Viruskonzentration in den ersten Wochen nach der Ansteckung - in der Zeit also, in der die Infizierten nichts von ihrer Infektion wissen - sowie bei ausgeprägter Immunschwäche (Stadium AIDS).
Bekannt ist ebenso, dass das Vorliegen einer sexuell übertragbaren Krankheit (STD) das Risiko erhöht, sich beim Sex mit HIV anzustecken. Die von diesen Krankheiten verursachten Verletzungen oder Geschwüre erleichtern dem Virus das Eindringen in den Organismus. Wie neuere Forschungen ergaben, steigt das HIV-Infektionsrisiko sogar dann, wenn keine Verletzungen oder Geschwüre vorhanden sind. Angenommen wird, dass jede Geschlechtskrankheit die Zahl der weißen Blutkörperchen im Genitalbereich erhöht, wodurch das eingedrungene Virus mehr Angriffsmöglichkeiten hat. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass HIV in den Genitalflüssigkeiten infizierter Menschen in größerer Menge enthalten ist, wenn sie eine Geschlechtskrankheit haben.
menstruationsblut und genitalflüssigkeiten: was ist wie ansteckend?
Menstruationsblut
Da die Lymphozyten-Konzentration im Menstruationsblut infizierter Frauen um ein Vielfaches höher ist als in der Scheidenflüssigkeit, enthält es auch mehr HIV. Es wird davon ausgegangen, dass während der Menstruation das Risiko einer HIV-Übertragung größer ist als in allen anderen Phasen des weiblichen Zyklus.
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Scheidenflüssigkeit
besteht aus Vaginalflüssigkeit und Zervixsekret (Zervix = Gebärmutterhals). Bei infizierten Frauen enthält auch die Scheidenflüssigkeit HIV. Ob die in ihr enthaltene Virusmenge für eine Ansteckung ausreicht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Ein Infektionsrisiko scheint es zumindest bei solchen Sexpraktiken zu geben, bei denen es zu besonders intensivem Kontakt mit Zervixsekret kommt. Es ist davon auszugehen, dass eine Scheideninfektion die Viruskonzentration im Vaginalsekret erhöht. In jedem Fall steigt bei einer Scheideninfektion das Risiko, sich mit anderen STDs zu infizieren.
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Weibliches Ejakulat
Die "Skeneschen Drüsen" in der Vagina sondern beim Orgasmus ein Sekret ab, das als "weibliches Ejakulat" oder "Freudenfluss" bezeichnet wird. Zur HIV-Konzentration in diesem Sekret gibt es noch keine Untersuchungen. Die wenigen Fachleute, die den Freudenfluss im Hinblick auf HIV berücksichtigen, gehen davon aus, dass eine Ansteckung hierüber unwahrscheinlich ist.
Fortsetzung: 4. Eintrittspforten für HiV
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