5. Safer Sex leicht gemacht
Küssen
Küssen ist - abgesehen von Zungenverknotungen, Problemen beim Loslassen und Atemnot bei Schnupfen - vollkommen safe und stets empfehlenswert, solange kein Herpes vorliegt. Ein Risiko für eine HIV-Infektion besteht erst beim (weltrekordverdächtigen) Austausch von acht bis zwölf Litern Speichel. Auch ein bisschen Zahnfleischbluten ist kein Grund für Kussabstinenz.
Lecken ("Cunnilingus")
Da läuft frau doch das Wasser im Munde zusammen! Für die Geleckte besteht, was HIV angeht, kein Infektionsrisiko, weil der Speichel zu wenig HIV enthält. Vorsicht aber bei einem Herpes am Mund: Er kann leicht auf andere Regionen übertragen werden. Die Leckende sollte neben Herpes, Pilzen und anderen sexuell übertragbaren "Gewächsen" auch auf HIV achten. Das Risiko, sich über die Genialflüssigkeiten mit HIV anzustecken, ist sehr gering. Es steigt aber deutlich an, wenn die Partnerin ihre Menstruation hat. Hier schützen Dental Dams oder aufgeschnittene Kondome mit einer gehörigen Portion Gleitgel.
Arschlecken ("Anilingus", "Rimming")
Wer Rosettenforschung mit der Zunge betreibt, braucht sich wegen HIV keine Gedanken machen. Doch die Hepatitis A und B kann euch hier den Appetit verderben. Schutzmöglichkeiten: Dental Dams, aufgeschnittene Kondome, Gleitgel.
Fingerfick vaginal/anal
Wenn ein oder mehrere Finger sich mehr oder weniger rhythmisch durch diverse Körperhöhlen tasten, ist dies bei intakter Haut vollkommen safe. Aber was ist, wenn frau sich an der Ravioli-Dose geschnitten hat, wenn sie Nägel kaut, Ekzeme an den Händen hat oder ihre Haut nach dem Spülen des WG-Geschirrs der letzten Wochen völlig aufgeweicht ist? Nun, selbst dann ist ein Fingerfick immer noch risikoarm. Das gilt auch für stundenlange Fingerübungen. Für die Vertreterinnen hundertprozentiger Sicherheit, vor allem aber während der Menstruation empfehlen sich Latex-Fingerlinge oder, noch besser, Latexhandschuhe. Auch Gleitgel ist nie von Schaden, solange es nicht den Reizstoff Nonoxynol-9 enthält. Nonoxynol-9 soll zwar HIV abtöten, ist aber ohne zusätzliche Latexbarrieren nicht wirksam genug und mit Latexbarrieren vollkommen überflüssig. Außerdem führt es bei vielen Frauen zu Reizungen der Scheidenschleimhaut.
Faustfick ("Fisting") vaginal/anal
"Und sie passt doch!" sagte schon Galilea G. und sie hat Recht. Oberstes Gebot sind kurz geschnittene und sorgfältig gefeilte Fingernägel sowie behutsames Einführen der Hand. Denn in der Vagina oder im Anus kann es sehr leicht zu Verletzungen kommen. In solch einem Fall besteht auch für die aktive Partnerin ein Risiko, wenn die Haut ihrer Hand nicht intakt ist: Durch das längere Verweilen der Hand im feuchten Milieu von Vagina oder Anus können Wunden oder Ekzeme leicht aufweichen und so als Eintrittspforte für HIV dienen. Latexhandschuhe (oder besser gesagt: Latexfäustlinge) und viel Gleitgel sind also stets wünschenswert, auch, weil es einfach besser "flutscht". Ganz wichtig: Nach allen Fingerspielen erst die Hände waschen oder Latexhandschuhe abstreifen, bevor frau bei sich selbst oder anderen handgreiflich wird.
Gruppensex
Denkt frau in trauter Zweisamkeit noch safe, so vergisst sie die Regeln im "Rudel" oft. Also: Hände, Dildos oder andere Toys nie direkt von einer zur anderen wandern lassen (egal ob zu zweit oder in der Gruppe). Beste Voraussetzungen für "Safer Gruppensex" sind ein breites Bett und daneben eine große Schachtel Utensilien (Fingerlinge, Handschuhe, Kondome, Gleitgel, Dental Dams).
Möse an Möse reiben ("Tribadismus")
...eine Klassikerin unter den Lesben. Leider nicht besonders safe, was HIV und andere STDs angeht. Zum HIV-Übertragungsrisiko gibt's in der Forschung allerdings unterschiedliche Meinungen. Glücklich, die auf Gummi stehen, denn einen hundertprozentigen Schutz bietet nur ein Gummihöschen.
Sex-Toys
Ob Zucchini oder Dildo: alles was lang genug ist, um den Muttermund (Zerwichs) zu erreichen, ist mit Vorsicht zu genießen, wenn's vorher schon in einer Partnerin drin war. Denn das Zerwichssekret infizierter Frauen kann HIV in einer Konzentration enthalten, die für eine Ansteckung möglicherweise ausreicht. Außerdem lauern noch andere STDs. Deshalb nur eigenes Spielzeug, und zwar nur bei sich selbst benutzen, also nicht im direkten Wechsel von Möse zu Möse oder Arsch zu Arsch oder Arsch zu Möse (letzteres auch nicht bei derselben Frau). Und wenn doch, dann stets mit einem neuem Kondom.
Natursekt und Kaviar (Urin und Kot)
Natursekt und Kaviar stehen zwar nicht auf allen Speisekarten, doch auch in ausgewählten Restaurants ist stets vor Hepatitis A (in Kot) und Hepatitis B (in Kot und Urin) zu warnen. Risikolos wird das ganze Vergnügen, wenn frau vom Verzehr absieht und sich stattdessen lieber mal ans Bein pinkeln lässt. Was HIV angeht, besteht keine Ansteckungsgefahr.
Schlagen, Peitschen
Solange dabei kein Blut fließt, birgt der Schlagabtausch auch keine Ansteckungsrisiken. Falls die Haut doch einmal platzt, sollte das Spiel beendet, die Wunde versorgt und das Schlagwerkzeug gesäubert werden.
Heiße Spielchen
Obwohl es beim Sex meist schon heiß genug hergeht, kann die Temperatur durch Hilfsmittel beliebig in die Höhe getrieben werden. Kerzen z.B. sind nicht nur als romantische Lichtquellen zu nutzen. Heißes Wachs durchblutet die Haut und belebt die Sinne, solange es nicht zu Verbrennungen kommt. Daher Vorsicht bei Bienenwachs (zu hohe Schmelztemperatur), parfümierten oder eingefärbten Kerzen! Einfache weiße Haushaltskerzen sind die besten. Vorher an sich selbst testen.
Duschen, Einläufe, Katheter
Die pflichtbewusste sexaminierte Krankenschwester sollte stets auf saubere und intakte Instrumente achten und/oder diese nur für eine Patientin benutzen. Vaginalduschen und Einläufe sollten nicht allzu häufig vorgenommen werden, da sie sonst zum Eintrocknen der Schleimhäute führen.
Play-Piercing, Schneiden
Hier kann es zu einschneidenden Erlebnissen kommen, und daher gilt: Messer, Schere, Gabel nicht ohne Latexhandschuhe! Außerdem müssen die Werkzeuge steril sein, d.h. vor und nach Gebrauch desinfizieren oder Einwegmaterial verwenden. Zusätzlich muss vorher die Haut (natürlich nur die Zielregion) desinfiziert, hinterher die Wunde behandelt werden.
Impressum: Auszug aus der Broschüre "Wer lutscht schon gern ein Dental Dam? Informationen für Frauen, die Sex mit Frauen haben", hrsg. von der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. 4. Auflage. Berlin 2000
Quelle: www.aidshilfe.de