4. Eintrittspforten für HiV
Haut
HIV kann nicht die intakte (unversehrte, heile) Haut durchdringen. Selbst bei kleinen, frischen Wunden oder Schnitten ist es unwahrscheinlich, dass HIV über sie in den Körper gelangt. Weil das Blut aus Wunden herausfließt, können infektiöse Körperflüssigkeiten nicht in sie einfließen. Bei starken Beschädigungen der Haut (z.B. durch Hauterkrankungen) ist eine Ansteckung mit HIV nicht völlig auszuschließen, wenn es zu einem Kontakt mit stark infektiösen Körperflüssigkeiten kommt...
Die intakte Mundschleimhaut bietet einen guten Schutz gegen HIV. Das Gewebe im Mund ist ziemlich robust. Vermutet wird auch, dass der Speichel eine Schutzwirkung hat. Kleinere Verletzungen im Mund sind kein Grund zur Panik. Zahnfleischbluten, z.B. nach dem Zähneputzen, ist in wenigen Minuten wieder vorbei. Außerdem bildet die Mundschleimhaut ständig neue "Schutzschichten". Für HIV ist es somit sehr schwer, über die Mundschleimhaut in den Körper einzudringen. Spürbare Entzündungen von Zahnfleisch und Rachen, Geschwüre und offene Wunden im Mundraum und an den Lippen (z.B. als Folge einer Geschlechtskrankheit) können jedoch eine Eintrittspforte für HIV sein.
Scheide und Gebärmutterhals
Inwieweit HIV über Scheide und Gebärmutterhals in den Körper eindringen kann, wird unterschiedlich bewertet. Einige Wissenschaftler/innen nehmen an, dass HIV selbst über die unverletzte Scheidenwand in die Blutbahn gelangen kann. Andere gehen davon aus, dass eine intakte Scheide und ein unverletzter Gebärmutterhals einen gewissen Schutz gegen HIV bieten.
Die Scheidenwand an sich ist sehr dick, robust und elastisch, um ihrer Funktion als Geburtskanal gerecht zu werden. Die Schleimhäute des Muttermundes (befindet sich am Gebärmutterhals) sind jedoch sehr empfindlich und leicht zu verletzen. Verletzungen ermöglichen HIV den Zugang zur Blutbahn.
Verletzungen an Scheide und Muttermund können verschiedene Ursachen haben: mangelnde Feuchtigkeit , Geburt, "rauer" Sex (z.B. mit den Fingern oder mit Dildos), Entjungferung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Beschneidung, sexuell übertragbare Krankheiten. Es gibt noch andere Ursachen für Veränderungen in Scheide und Gebärmutterhals, die dem Virus das Eindringen in die Blutbahn erleichtern, z.B. hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren und in der Schwangerschaft oder die durch Schwangerschaft veränderte Lage des Gebärmutterhalses. Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Gebärmutterhals durch die Einnahme der Pille empfindlicher wird und durch die Spirale verletzt werden kann. Ob diese Verhütungsmittel das Risiko einer Ansteckung mit HIV erhöhen, ist noch nicht bewiesen.
Anus (After)
Die Darmschleimhaut ist sehr empfindlich und leicht verletzbar. Hämorrhoiden, Warzen, Herpes oder auch Risse können die Verletzungsgefahr noch erhöhen. Verletzungen erleichtern HIV das Eindringen in den Körper. Außerdem befinden sich an der Oberfläche der rektalen (zum Enddarm gehörenden) Schleimhaut Langerhans-Zellen, die das Virus als Eintrittspforten nutzt.
Andere sexuell übertragbare Krankheiten
Neben der HIV-Infektion gibt es noch weitere sexuell übertragbare Krankheiten. Es ist ratsam, sich vor ihnen zu schützen, da viele schwer wiegende Folgeschäden haben können. Noch dazu sind alle der nachfolgend beschriebenen STDs von Frau zu Frau viel leichter übertragbar als HIV.
Die Krankheitszeichen vieler STDs ähneln sich. STDs können außerdem als Mischinfektionen auftreten. Bei Symptomen, z.B. ungewöhnlichem Ausfluss, sollte in jedem Fall eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Frühzeitig erkannt, lassen sich STDs in der Regel recht gut behandeln. Liegt eine STD vor, sollten auch die Partner/innen darüber informiert werden.
Chlamydien-Infektion (bakterielle Scheideninfektion) Erreger: Chlamydia trachomatis Übertragung: durch Kontakt mit infektiöser Vaginalflüssigkeit Inkubationszeit 7 bis 12 Tage Symptome: Ausfluss, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, geringe Unterbauchschmerzen. 30 bis 50% der Frauen zeigen gar keine Beschwerden Bei Nichtbehandlung: chronische Entzündung der Eileiter; kann eventuell zu Unfruchtbarkeit führen
Gonorrhoe (Tripper) Erreger: Neisseria gonorrhoeae Übertragung: durch Vaginalflüssigkeit, die z.B. über Finger oder Sex-Toys auf die Genitalien der Partnerin gelangt. Vorsicht bei oral-analen Spielen, da auch die Schleimhaut des Rektums (Enddarm) befallen sein kann. Auch durch den Schweißfilm, der beim Sex entsteht, "schwimmen" die Bakterien leicht zu Stellen, wo sie gut gedeihen können Inkubationszeit 2 bis 4 Tage Symptome: grüngelblicher Scheidenausfluss, Jucken oder Brennen in der Harnröhre, Unbehagen vor und nach dem Stuhlgang, Durchfall oder Völlegefühl bei leerem Rektum (Enddarm). Selten tritt eine Infektion des Halses auf Bei Nichtbehandlung: schwere Schädigungen möglich, wie z.B. Herzprobleme oder Blindheit
Syphilis (Lues) Erreger: Treponema pallidum Erregernachweis: Blutuntersuchung. Erreger sind bereits wenige Stunden nach der Ansteckung nachweisbar Übertragung: durch Berühren und Reiben können sich die Bakterien in die Haut "einschrauben". Inkubationszeit: 2 bis 4 Wochen Symptome: in 90% der Fälle keine Frühsymptome Primärstadium: Nach etwa 3 Wochen entwickelt sich an der Eintrittsstelle des Erregers aus einer schnell zerfallenden Papel (Hautknötchen) ein etwa münzgroßes Geschwür; bei Frauen in der Regel in der Vagina, deshalb wird es oft übersehen. Die Lymphknoten schwellen an Sekundärstadium: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Lymphknotenschwellung. Etwa in der 9. Woche tritt ein nichtjuckender Hautausschlag auf, häufig am ganzen Körper. Danach entwickeln sich Papeln, aus denen eine hochinfektiöse Flüssigkeit austritt Tertiärstadium: Nach 3 bis 5 Jahren treten wenige, jedoch tief gehende Knoten an der Haut auf. Die Ansteckungsgefahr für andere ist gering Bei Nichtbehandlung: Herzprobleme, Hirn- und Rückenmarkschädigung, möglicherweise Tod
Herpes simplex Erreger: Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HBV Typ 1, = Herpes labialis) Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HBV Typ 2, = Herpes genitalis) Übertragung: durch Kontakt mit den hochinfektiösen Herpesläsionen (= offene Herpesbläschen). Die Virusausscheidung kann 14 bis 21 Tage anhalten. Übertragung auf Ungeborene führt bei diesen häufig zu Gehirnschäden Inkubationszeit: 2 bis 7 Tage Symptome: bei Erstinfektion nach 3 bis 9 Tagen gruppenförmig angeordnete Bläschen z.B. am Mund (Herpes labialis), an den Schamlippen, in der Vagina, an den Oberschenkeln, am After (Herpes genitalis); leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten. Bei 35 bis 60% der Fälle treten die Bläschen immer wieder auf, meist jedoch in geringerer Anzahl als bei der Erstinfektion. Die Virusausscheidung beträgt hier 3 bis 7 Tage In 30% der Fälle wird Herpes genitalis durch HSV Typ 1 verursacht. Deshalb scheint auch der umgekehrte Fall (= HSV Typ 2 wird auf den Mund übertragen) möglich (= Kreuzinfektion). Frauen, die von HSV Typ 2 betroffen sind, leider öfter an Gebärmutterkrebs als andere.
Hepatitiden
Hepatitis A Erreger: Hepatitis A-Virus Übertragung: meist fäkal-oral: Das Virus befindet sich im Stuhl, die Weitergabe erfolgt "von der Toilette über die Hand in den Mund". Inkubationszeit: etwa 2 bis 8 Wochen Symptome: akute Hepatitis: unbestimmte Beschwerden, z.B. Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber bis zu 39°C. In etwa einem Drittel der Fälle tritt eine Gelbsucht auf akutes Leberversagen: äußerst selten (in etwa 0,1% der Fälle) Krankheitsdauer: in der Regel 4 bis 6 Wochen. Die Hepatitis A verläuft nie chronisch, sondern heilt völlig aus. Danach besteht lebenslange Immunität. Gegen Hepatitis A gibt es eine Schutzimpfung.
Hepatitis B Erreger: Hepatitis B-Virus Übertragung: durch Sexualverkehr: vaginal, anal, oral (auch "Rimming", = Lecken am After); durch Blut-Blut-Kontakt (z.B. beim gemeinsamen Benutzen desselben Spritzbestecks und derselben Spritzutensilien wie Löffel, Filter, Tupfer); während der Geburt; sehr selten: Übertragung durch Speichel, z.B. beim Küssen Inkubationszeit: 4 bis 26 Wochen Symptome: akute Hepatitis ähnlich wie bei Hepatitis A, meist jedoch keine auffälligen Beschwerden. In etwa 1% der Fälle kommt es zu einem schweren Verlauf mit akutem Leberversagen Chronifizierung: Die Hepatitis B kann chronisch verlaufen: allgemein in 5 bis 10% der Fälle, bei unter der Geburt infizierten Neugeborenen in bis zu 100% der Fälle. Spätfolgen können eine chronische Leberentzündung mit Leberzirrhose sowie das Leberzellkarzinom sein. Gegen Hepatitis B gibt es eine Schutzimpfung.
Hepatitis C Erreger: Hepatitis C-Virus (verschiedene Subtypen) Übertragung: vor allem durch Blut-Blut-Kontakt (z.B. beim gemeinsamen Benutzen desselben Spritzbestecks und derselben Spritzutensilien wie Löffel, Filter, Tupfer) und Blutprodukte; durch sexuellen Kontakt, aber seltener als bei Hepatitis B; auf Neugeborene während der Geburt Inkubationszeit: zwischen 2 Wochen und einem halben Jahr Symptome: akute Hepatitis C ähnlich wie bei Hepatitis A und B, häufig ohne deutlich ausgeprägte Beschwerden Chronifizierung: 50 bis 80% der Fälle verlaufen chronisch. Davon geht ein Drittel in eine chronisch aggressive Form über, aus der sich eine Leberzirrhose mit anschließendem Leberversagen oder Leberkrebs entwickeln kann. Gegen Hepatitis C gibt es keine Schutzimpfung.
Feigwarzen Erreger: Human Papilloma Virus (HPV) Übertragung: durch sexuellen Kontakt, meist direkt von Genitalzone zu Genitalzone Inkubationszeit: ein bis mehrere Monate Symptome: weiche, rosafarbene fleischige Gebilde auf den äußeren Geschlechtsteilen, die zu schmerzhaften Vereiterungen und Entzündungen neigen Feigwarzen können möglicherweise Gebärmutterhalskrebs und Hautkrebs verursachen.
Filzläuse Wo sie sich befinden: meist im Schamhaar, zuweilen auch in Körper- und Barthaaren, Augenbrauen, Wimpern und Haupthaar Übertragung: durch Körperkontakt, vor allem beim Sex; durch gemeinsames Benutzen von Betten, Bettwäsche und Kleidung Symptome: kleine bläuliche Flecken im Genitalbereich, Juckreiz im Schritt
Krätze Erreger: Krätzemilben. Sie sind wesentlich kleiner als Läuse und bohren Gänge in der Oberhaut Übertragung: durch Hautkontakt Symptome: stecknadelkopfgroße Bläschen, in denen die Eier abgelegt wurden; unerträglicher Juckreiz an befallenen Hautpartien (auch durch abgelegten Milbenkot)
Trichomoniasis Erreger: Trichomonas vaginalis (Geißeltierchen) Übertragung: vor allem durch Kontakt mit infizierter Genitalflüssigkeit; durch gemeinsames Benutzen von Handtüchern und Waschlappen sowie Unterwäsche und Badeanzügen Symptome: gelblicher oder grün-gelblicher übel riechender Ausfluss, Anschwellen der Vulva, entzündete, rote, wunde und juckende Schamlippen, Entzündungen der Harnwege Frauen, die bereits eine Trichomoniasis hatten, sind anfälliger für eine Gonorrhoe.
Candida-Mykose (Scheideninfektion durch Pilzbefall) Erreger: Hefepilz Candida albicans (75 bis 80% der Fälle), Candida glabrata (10 bis 15% der Fälle). Kommen in jeder Vagina vor, bei Candida-Mykose steigt ihre Zahl explosionsartig an Übertragung: durch sexuelle Kontakte, z.B. über die Finger, den Mund, über gemeinsames Benutzen von Sex-Toys und Vaginalduschen, auch über den Mund (bei Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum). Die Übertragbarkeit steigt bei Behandlung mit Antibiotika und Hormonen, während der Schwangerschaft, bei Diabetes usw. Symptome: säuerlicher, hefeartiger Vaginalgeruch, weißlicher Ausfluss, Anschwellen der Vulva und Juckreiz.
Fortsetzung: 5. Safer Sex leicht gemacht